Peymann inszeniert "Maß für Maß"

6. Mai 2001, 11:59
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Dem Berliner Publikum gefiel die Mischung mit viel Klamauk und Witz

Berlin - Als eine Art Komödienstadl hat Claus Peymann am Samstagabend im Berliner Ensemble eine Neuinszenierung von Shakespeares "Maß für Maß" auf die Bühne gebracht. Aus der Geschichte um Macht und Moral wurde dabei eine teils ziemlich zotige Verwechslungskomödie. Dem Publikum gefiel die Mischung mit viel Klamauk und Witz. Es applaudierte bei der Premiere begeistert. Vor allem die beiden Hauptdarsteller Michael Maertens als verklemmt-erregter Statthalter Angelo und Sylvie Rohrer als enthusiastische Nonne Isabella waren die Lieblinge der Zuschauer.

Erst kürzlich hatte Peymann mit Shakespeare einen Erfolg gelandet. Seine Interpretation des Königsdramas "Richard II.", ebenfalls mit Maertens in der Hauptrolle, ist zum derzeit laufenden 38. Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen in Berlin eingeladen worden. Auch der Friedrich-Luft-Preis wurde dem Intendanten des Berliner Ensemble für diese Regiearbeit verliehen.

Beeindruckendes Bühnenbild

Wie bereits bei "Richard II." hat der Schriftsteller und Drehbuchautor Thomas Brasch auch für "Maß für Maß" eine neue Übersetzung geliefert. Der Ton unter den Protagonisten ist rau, dennoch inszeniert Peymann das Stück mit leichter Hand fast wie eine Mozart-Oper, nur ohne Musik. Das ist streckenweise amüsant, auf Dauer aber wenig tiefschürfend. Die philosophischen Momente gehen unter. Beeindruckend ist dafür das Bühnenbild von Karl-Ernst Herrmann. Auf einer die ganze Bühne ausfüllenden, steilen Treppe treffen sich die Figuren.

Der gütige Herzog (Hans-Michael Rehberg) gibt dort seine Machtbefugnisse für eine Zeit lang an seinen Stellvertreter Angelo weiter. Angelo soll durch die harte Anwendung der bereits bestehenden Gesetze wieder Zucht und Ordnung in das verlotterte Wien bringen. In der Stadt tummeln sich ungestört Nutten, Zuhälter und Ganoven, doch ausgerechnet ein harmloses Liebespaar wird erstes Opfer der neuen Ordnung.

Weil Claudio seine Freundin ohne Trauschein geschwängert hat, soll er hingerichtet werden. Claudios Schwester, die Novizin Isabella, will den hartherzigen Statthalter Angelo mit List und allen Mitteln der weiblichen Verführungskunst zum Einlenken bringen. Zum versprochenen Liebesspiel als Gegenleistung für eine Begnadigung ihres Bruders schickt sie jedoch eine Andere zu Angelo.

Am Ende fliegt aller Schwindel auf, der zurückgekehrte Herzog begnadigt jeden Sünder, und die Helden sitzen vor Rührung weinend auf der Treppe. Shakespeare als Farce? Das Publikum schloss die über die Treppe stolpernden, staksenden und schlurfenden Shakespare-Figuren ins Herz. Von der Schwierigkeit des gerechten Herrschens erzählt das Stück in Peymanns Version wenig, zu umso mehr Lachern reizte er die Zuschauer. (APA/dpa)

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