Armee dringt erneut in Palästinenser- Gebiet vor

6. Mai 2001, 18:32
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Nach Feuergefecht wieder abgezogen

Bethlehem/Tel Aviv - Die israelische Armee ist nach palästinensischen Angaben erneut mit Panzern und schwerem Geschütz auf autonomes Palästinensergebiet vorgedrungen. Die Soldaten seien Sonntagfrüh kurzfristig bei Beit Djala bei Bethlehem im Westjordanland in die von Palästinensern kontrollierte Zone A vorgedrungen, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Die Fatah von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat berichtete, einer ihrer Kämpfer sei getötet worden. Nach einem Feuergefecht mit der palästinensischen Polizei seien sie wieder abgezogen.

Die israelische Armee wollte die Offensive im Westjordanland nicht bestätigen. Der israelische Rundfunk meldete, die Soldaten hätten sich dort ein Feuergefecht mit bewaffneten Palästinensern und Polizisten geliefert. Israelische Soldaten hätten das Feuer mit Maschinengewehren und Panzern erwidert. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben zwölf Palästinenser verletzt, zwei davon schwer.

Aus Bet Djala hatten Palästinenser in den vergangenen Monaten immer wieder den Jerusalemer Vorort Gilo beschossen. Diese Vorstadt Jeursalems ist auf erobertem palästinensischem Gebiet errichtet worden.

Am Samstagabend hatten rund 200 jüdische Siedler ein palästinensisches Dorf in der Nähe von Bethlehem im Westjordanland angegriffen. Nach Augenzeugenberichten warfen sie Steine und schlugen die Einwohner mit Knüppeln. Die israelische Armee griff den Angaben zufolge in die gewaltsamen Auseinandersetzungen ein. Dabei seien mindestens vier Palästinenser angeschossen worden.

Verteidigungsminister rechtfertigt Vorgehen

Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer hat am Sonntag angekündigt, er habe der Armee die grundsätzliche Erlaubnis zum Einmarsch in die Palästinenser-Gebiete erteilt. "Im Prinzip habe ich jeden Eintritt in die (vollständig von den Palästinensern kontrollierte) Zone A erlaubt, sollte das nötig sein, um unsere Sicherheit zu gewährleisten", sagte Ben-Eliezer vor Journalisten in Jerusalem.

Er äußerte sich damit zu der Frage, ob er eine spezielle Erlaubnis für einen Panzerangriff auf die Ortschaften Beit Dschala und El Khader im Westjordanland gegeben habe. Dabei waren zuvor am Sonntag nach palästinensischen Angaben ein 45-jähriges Mitglied der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Yassir Arafat getötet und 20 Menschen verletzt worden.

Palästinenser berichteten, im Zuge der Offensive seien israelische Panzer und Jeeps vorübergehend rund 100 Meter weit ins Palästinenser-Gebiet vorgestoßen. (APA)

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