"Konstruktive Kritik immer willkommen"

7. Mai 2001, 18:21
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Innenministerium dementiert "Strafversetzung" von Sicherheitsbürochef Edelbacher

Wien - In der momentanen Aufbauphase des Bundeskriminalamtes ist Herwig Haidinger, Österreichs oberstem Kriminalpolizisten, "konstruktive Kritik immer willkommen". Folglich muss das, was Maximilian Edelbacher (57), der Chef des Wiener Sicherheitsbüros, unter dem Titel "Management by Chaos" zu Papier gebracht haben soll, äußerst konstruktiv gewesen sein. Wie berichtet, wurde er überraschend für drei Monate ins Team des Projektleiters berufen. Das Sicherheitsbüro muss vorerst ohne ihn auskommen.

In Polizeikreisen wird gemunkelt, dass der SPÖ-nahe Edelbacher vom schwarzen Innenministerium "zurückgepfiffen und unter Aufsicht gestellt" worden sei. Hintergrund: Edelbacher wollte im Magazin Der Kriminalbeamte seine Sicht der Veränderungen unter VP-Minister Ernst Strasser veröffentlichen. Darin wird unter anderem das Bundeskriminalamt als "Monsteramt" und "Dinosaurier" bezeichnet. Der geplante Artikel, in dem auch Strassers Personalpolitik und die abgespeckte Version der Sicherheitsakademie nicht gut wegkommen, fiel aber schließlich der internen Zensur zum Opfer. "Nichts gegen Kritik, aber diese sei unglücklich formuliert und inhaltlich auch nicht richtig", hieß es.

Von einer "Strafversetzung Edelbachers" will Haidinger nichts hören. "Es wäre unsinnig, beim Aufbau des Bundeskriminalamtes auf einen derart erfahrenen Kriminalisten mit internationaler Reputation zu verzichten", so Haidinger zum Standard.

Europaratsexperte

Edelbacher ist unter anderem als Experte des Europarats tätig und wurde im vergangenen Jahr zum Präsidenten des International Chapters der Academy of Criminal Sciences in den USA gewählt.

Vor wenigen Monaten hatte sich Max Edelbacher als einziger Gegenkandidat zu Herwig Haidinger um die Leitung der Gruppe II/D (Kriminalpolizei) im Innenministerium beworben. Die Kommission gab Haidinger, der früher die Linzer Staatspolizei leitete, den Vorzug. Da aus der Gruppe II/D das Bundeskriminalamt entstehen wird, gilt Haidinger auch als dessen künftiger Chef. Bis Ende des Jahres soll die definitive Entscheidung gefallen sein.

Wie Haidinger betont, hätten er und Edelbacher ein ausgezeichnetes Arbeitsverhältnis. Edelbacher selbst zu seiner neuen Dienstzuteilung: "Man hat mir ein Hölzel zugeworfen in Form eines Angebots, bei der Planung mein Wissen und meine Erfahrungen einzubringen. Jetzt nehme ich die Arbeit in Angriff." Dafür erhielt er nun im BKA- Hauptquartier am Josef-Holaubek-Platz in Wien-Alsergrund ein eigenes Büro.

Umsetzung 2004

Die finanzielle Ausstattung des BKA ist übrigens noch nicht geklärt. Laut Haidinger seien die Planer derzeit dabei, die Kosten für die Posten auszurechnen. Über das zu mutmaßen, was unter dem Strich herauskommen werde, wäre momentan "reine Spekulation". Das BKA soll 2004 voll umgesetzt sein. (DerStandard,Print-Ausgabe,8.5.2001,simo)

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