"Spiegel": Bertelsmann Music Group könnte Verluste schreiben

5. Mai 2001, 21:10
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Laufendes Geschäftsjahr: Planziele bisher verfehlt?

Die Bertelsmann Music Group (BMG) des Medienkonzerns Bertelsmann AG könnte nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" im laufenden Geschäftsjahr 2000/2001 Verluste schreiben. Allein im ersten Halbjahr bis Ende Dezember 2000 habe die Musiktochter des Medienkonzerns beim Gewinn vor Zinsen und Steuern die internen Planziele um rund 180 Millionen Mark (92,0 Mill. Euro/1.266 Mill. S) verfehlt, berichtet der "Spiegel" am Samstag aus seiner neusten Ausgabe.

Auf dem Niveau der Vorjahre?

Ein Sprecher von Bertelsmann lehnte einen direkten Kommentar zu dem Bericht ab. "Wir geben unterjährig keine Ergebnisse von Bereichen bekannt, aber wir erwarten, dass das Ergebnis auf dem Niveau der Vorjahre liegen wird", sagte der Sprecher.

Strukturveränderungen & Managementwechsel

Das laufende Geschäftsjahr sei wegen Strukturveränderungen und einem Managementwechsel von einmaligen Sonderbelastungen betroffen, sagte der Sprecher weiter. Dem Nachrichtenmagazin zufolge sorgten allein die Abfindungen für ausgewechselte Vorstände für Belastungen von schätzungsweise 15 Millionen Mark. Dazu kämen Abschreibungen auf Musiklabels und Beteiligungen, die nicht mehr weiter gehalten werden sollen. BMG habe "schwache Marktpositionen in Schlüsselmärkten", zitiert das Nachrichtenmagazin ein internes Papier. Gefordert sei nun ein mutiger Schritt um Kosten zu sparen und für Künstler mehr Attraktivität zu erreichen.

In der Führungsebene von BMG hatte es im vergangenen Jahr wiederholt Personalwechsel gegeben. Im Jänner war der ehemalige "Stern"-Chefredakteur Rolf Schmidt-Holtz zum neuen President und CEO der BMG ernannt worden, nachdem der bis dahin für den Posten vorgesehene Rudi Gassner kurz vor Weihnachten überraschend gestorben war. Seine direkten Vorgänger bei BMG, Michael Dornemann und Strauss Zelnick hatten im Herbst das Unternehmen verlassen.

Middelhoff: "Einen Verkauf von BMG wird es nicht geben"

Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff sagte unterdessen am Samstag in einem Zeitungsinterview, die Musiktochter BMG stehe nach der geplatzten Fusion mit der britischen EMI nicht zum Verkauf an. Am Dienstag hatten der Medienkonzern und EMI Group die Gespräche über eine Fusion ihrer Musikgeschäfte auf Grund erwarteter hoher Auflagen der Kartellbehörden für gescheitert erklärt. (APA/Reuters)

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Das Geschäftsjahr 2000/2001 von Bertelsmann endet am 30 Juni. 1999/2000 hatte die BMG ihr operatives Ergebnis um 27 Prozent auf 223 Millionen Euro (3.069 Millionen Schilling) gesteigert - bei einem Umsatz von 4,8 Milliarden Euro.
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