Barenboim beharrt auf Wagner-Aufführung in Israel

5. Mai 2001, 19:03
posten

... ohne sich jedoch zum Missionar des teutschen Komponisten machen zu wollen

München - Der Leiter der Berliner Staatskapelle, Daniel Barenboim, hält nach einem Bericht des Nachrichtenmagazin "Focus" trotz heftiger Proteste an der Aufführung von Richard Wagners "Walküre" Anfang Juli fest. In einem Beitrag für "Focus" schrieb der Dirigent, es sei nicht seine Absicht in Israel missionarisch für Wagner zu kämpfen. "Doch ich fände, dass hier ein Fall gegeben ist, an dem Israel sich als Demokratie definieren kann und solle", unterstrich Barenboim.

Er habe "großes Verständnis und Mitgefühl für alle Überlebenden des Holocaust und ihre furchtbaren Assoziationen, die sie mit der Musik Wagners verbinden", so Barenboim. In Israel lebten aber auch zwanzig Prozent nichtjüdische Mitbürger. "Keiner sollte hier einem anderen verbieten, Wagners Musik zu hören oder zu spielen."

Gegen die geplante Aufführung des ersten Aktes von Richard Wagners "Walküre" war im April das durch seine Jagd auf Nazi- Verbrecher bekannte Simon-Wiesenthal-Zentrum gerichtlich vorgegangen. Auch ein israelischer Holocaust-Überlebender hatte beim Obersten Gericht Israels einen Antrag gestellt, mit der die konzertante Aufführung verhindert werden soll. Anfang Mai hatte das israelische Parlament eine Absage der umstrittenen Aufführung gefordert.

Aufführungen der Musik Wagners, die unter anderem die Todeskandidaten in den Konzentrationslagern zu hören bekamen, waren in Israel Jahrzehnte lang tabu. Inzwischen wird Musik des sächsischen Komponisten jedoch regelmäßig im Rundfunk gespielt. Im Sommer 2000 brachte der israelische Klassik-Sender eine Gesamtaufnahme von "Tristan und Isolde". Ende Oktober hatte das Sinfonieorchester der Stadt Rischon le Zion Wagners Siegfried-Idyll öffentlich aufgeführt.(APA/dpa)

Share if you care.