Fortsetzung von "Les Miserables" ausdrücklich unerwünscht

5. Mai 2001, 18:59
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Victor Hugos Erben wollen dafür vor Gericht ziehen

Paris - Die Erben des französischen Schriftstellers Victor Hugo (1802-1885) wollen die vom Pariser Verlag Plon veröffentlichte Fortsetzung des Romans "Les Miserables" gerichtlich verbieten lassen. Pierre Hugo, der älteste Nachfahre des Romantikers, hat das Pariser Landgericht wegen "Verletzung der immateriellen Rechte des Autors" angerufen.

Bei der Fortsetzung handelt es sich um "Cosette ou le temps des illusions", einen 500 Seiten dicken Roman von Francois Ceresa. Ein zweiter Band mit dem Titel "Marius ou le fugitif" erscheint im September. Die Gerichtsverhandlung wird voraussichtlich Ende Juni stattfinden.

Unterstützung

Kritik am Roman Ceresas übte auch die Autorenvereinigung "Societe des Gens de Lettres", deren Präsident Victor Hugo zu seinen Lebzeiten selbst war. In einer Aussendung erinnert die Vereinigung daran, dass die immateriellen Autorenrechte nach dem Tod des Autors an die Nachfahren vererbt werde. ""Les Miserables", ein von Victor Hugo vollendetes Werk, kann ohne formelle Genehmigung durch die Rechtsträger nicht abgeändert oder verlängert werden", heißt es in einer Aussendung. Im Gegensatz zu den Familienangehörigen Hugos fordert die "Societe des Gens des lettres" allerdings nicht ein Verbot der Fortsetzung.

Victor Hugo ließ die Saga im Sommer 1833 mit dem Tod Jean Valjeans enden. Javert hat im Original Selbstmord begangen, Thenardier ist nach Amerika ausgewandert. In der Fortsetzung wird allerdings die Frage aufgeworfen, ob Javert wirklich tot ist und Thenardier sich wirklich im Exil befindet. Eine neue Geschichte kann beginnen, deren Handlung bis ins Jahr 1836 führt.

"Breitatmigkeit"

Pierre Hugo fordert vom Gericht das Verbot der Vermarktung des Romans von Ceresa und 9,44 Mill. Schilling Schadenersatz. Der Erbe des französischen Romanciers erklärte sich insbesondere über die Rückkehr Javerts empört. "Indem er das Schicksal Javerts abgeändert hat, wollte Ceresa Hugo wirklich widersprechen", betonte Pierre Hugo.

Ceresa, Journalist im politischen Magazin "Le Nouvel Observateur" und bereits Autor von neun Büchern, hat nach Angaben seines Verlegers nicht versucht, den großen französischen Romantiker zu imitieren, sondern mit einer gewissen "Breitatmigkeit" diese bekannte Geschichte fortzusetzen, deren Romanfiguren Colette, Marius und Javert mittlerweilen zum kollektiven Kulturerbe zählen. Plon investierte umgerechnet mehr als vier Millionen Schilling in die Werbung für den Roman, deren Erstauflage 65.000 Exemplare zählt.(APA)

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