Die kommen, die Platten

11. Mai 2001, 12:18
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Tool: Mysteriöses aus L.A. - Neue CDs von Bobby Bland, dem Tied & Tickled Trio und Jim White

LATERALUS: Symbole, Zeichen - die Bandmitglieder von "Tool" lieben es mystsch. Nicht nur in ihren Texten. In Interviews beschränken sie sich gerne auf ein "Yes" und "No". Der ursprüngliche Bandname "Toolshed" - ein Verweis auf eine Kindheitsgeschichte des Sängers Maynard James Keenan (wurde als Kind in den Geräteschuppen gesperrt) - wurde verkürzt. Es blieb "Tool" - ein Verweis auf die gedankenlose Befehlsausführung in der Army.

Seit 1991 machen sie nun Musik (trennten sich 1995 vom Bassisten). Drei rockige Platten sind bereits am Markt. Ende 2000 erschien ertmals seit 4 Jahren eine Compilation von alten Tool-Songs und Live-Tracks unter dem Arbeitstitel "Salival". Dieser Tage folgt "Lateralus". Das neue Album ist eine weitere Hymne an den Schmerz. Ispiration durch Schmerz und böse Worte mit V - dynamische Agression. Für Freunde des Düsteren.

(red)

BOBBY BLAND Two Steps From The Blues (Universal) Das dritte Album des hier bei jeder sich bietenden Gelegenheit als einer der größten Soulsänger aller Zeiten gepriesenen Bobby Bland wurde eben wieder veröffentlicht: Two Steps From The Blues. Bland gilt mit seiner vulkanischen Stimme als Erfinder der Bluesballade, also einer orchestrierten und formal breiter angelegten Version des Blues, dem Rhythm'n'Blues. Aus diesem entstand in fließendem Übergang Soul. Bland darf man sich auf diesem vor 40 Jahren(!) erschienenen Album als Rohdiamant vorstellen. Seine konkurrenzlos behäbige Eleganz schimmert hier bereits stark durch eine noch eher raue Produktion, die einen Höhepunkt nach dem anderen bereithält: Die Tragödie St. James Infirmary oder den Klassiker I Pity The Fool. Wie immer ist Bland fälschlicherweise in den Bluesregalen zu finden. Wenn man sich vorstellt, dass er dort meist in einer Nachbarschaft mit dem Irrtum Bluespumpm steht . . . man fasst es kaum.

TIED & TiCKlED TRIO Electric Avenue Tapes (Ixthuluh) Das sechsköpfige "Trio" legt mit Electric Avenue Tapes ein Werk vor, dem man die Spiellaune der Deutschen anhört. Eingängige elektronische Kompositionen, denen, wie im zwölfminütigen Opener der CD, ein melodieführendes Piano vorgesetzt wird. Dass diesem nach nicht allzu langer Zeit ein Saxophon folgt, ist zwar hart, entspricht aber der selbst auferlegten Jazz-Affinität mit der man nicht nur namenstechnisch kokettiert. Trotzdem okay.

JIM WHITE No Such Place (Virgin) God Was Drunk When He Made Me, lautet ein Song-Titel des neuen Jim-White-Albums. Vertont werden solche Einsichten weitgehend mit einer Mischung aus Umgebungsgeräusch-Samples, einer Slide-Gitarre sowie einem Keyboard aus dem Hause Funk und der quengelnden Stimme Whites. Man merkt schon, stilistisch kein gar so dogmatisch angelegtes Werk und trotzdem verschont einen der New Yorker mit ausufernden Exkursionen, der Marke "Was ich alles drauf habe", sondern verwendet all dies richtig dosiert in klassischer Songwriter-Tradition. Ein Cowboyhut verpflichtet schließlich. Nicht nur in Texas. (DER STANDARD-Rondo, Print-Ausgabe 4. 5. 2001)

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