Gewerkschafter sieht mögliche Folgewirkungen des Lufthansa-Streiks

5. Mai 2001, 17:29
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Der Flugverkehr hat sich indessen wieder normalisiert

Frankfurt/Main - Einen Tag nach dem Streik der Lufthansa-Piloten hat sich der Flugverkehr in Deutschland normalisiert. Schon am Freitagabend hätten sich die Starts und Landungen der Gesellschaft "wieder eingependelt", sagte Lufthansa-Sprecherin Katrin Haase. Unterdessen warnte der Vorsitzende der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), Roland Issen, vor zu großzügigen Gehaltserhöhungen für die Piloten. Die 4.200 Lufthansa-Piloten fordern Einkommenserhöhungen um durchschnittlich mehr als 30 Prozent.

"Wenn der Vorstand einknickt, könnte das auch andere Gruppen auf den Geschmack bringen", sagte der Gewerkschafter, der auch im Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa AG sitzt, der Zeitung "Welt am Sonntag". Hohe Aufschläge für Piloten könnten Boden- wie Kabinenpersonal zu eigenen Nachforderungen animieren, äußerte Issen.

Der Gesamtbetriebratsvorsitzende der Lufthansa Cargo und Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, Willi Rörig, appellierte an die Piloten, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Immer weniger Menschen in der Bevölkerung haben Verständnis für das, was in dieser Tarifauseinandersetzung öffentlich diskutiert und verhandelt wird", teilte Rörig mit. Nicht nur die Piloten hätten in den 90er Jahren Opfer zur Sanierung der Fluggesellschaft bringen müssen. Die 65.000 Boden- und Kabinenbeschäftigten wollen nach Rörigs Worten "das Recht für sich in Anspruch nehmen, dass sie von dem zu verteilenden Kuchen ein angemessenes Stück abbekommen".

Am Montag werden die Verhandlungen zwischen Lufthansa und der Pilotenvereinigung Cockpit fortgesetzt. Sollte es zu keiner Einigung kommen, droht Cockpit, in den kommenden vier Wochen an jedem Donnerstag erneut zu streiken. Die Lufthansa hatte angeboten, die Vergütung in diesem Jahr zwischen 10 und 16,7 Prozent anzuheben.

Der Arbeitskampf der Flugkapitäne führte am Freitag auf allen großen deutschen Flughäfen zu zahlreichen Ausfällen oder Verspätungen von Maschinen. Während des Streiks zwischen 0.00 und 12.00 Uhr fielen laut Lufthansa rund drei Viertel der 500 geplanten Flüge aus. Nach Cockpit-Angaben wurden von den innereuropäischen Flügen 335 gestrichen, 77 seien verspätet gewesen. Auch bei der Chartertochter Condor habe es Ausfälle gegeben. Betroffen waren in Deutschland 30.000 Flugpassagiere. Nach Expertenschätzungen könnte der Schaden für die Lufthansa bis zu 140 Millionen DM betragen. (APA)

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