Italienischer Umweltminister Bordon zieht Demission zurück

5. Mai 2001, 15:22
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Streit um Radio Vatikan löste veritable innenpolitische Krise aus

Rom - Der italienische Umweltminister Willer Bordon, der am Donnerstag wegen des Streits um gesundheitsschädlichen Elektrosmog von Radio Vatikan zurückgetreten war, hat seinen Rücktritt zurückgezogen. "Ich habe von Regierungschef Giuliano Amato schriftliche Garantien erhalten, dass am 18. Mai ein Datum festgesetzt wird, bis zu dem Radio Vatikan sich an das italienische Gesetz zur Bekämpfung schädlicher Emissionen anpassen muss", erklärte Bordon im staatlichen italienischen Fernsehen RAI am Samstag.

Die Kontroverse um die Antennenanlage von Radio Vatikan zieht sich bereits seit Monaten hin. Anwohner der Ortschaft Santa Maria di Galeria bei Rom berichteten, in der Gegend um das Antennenfeld häuften sich Leukämie-Erkrankungen. Gefährdet seien vor allem Kinder. An dem Antennenfeld waren Elektrosmog-Werte gemessen worden, die deutlich über dem gesetzlichen Grenzwert liegen.

Bordon hatte ein entschiedeneres Vorgehen von Amato gefordert, damit die Belastung verringert wird. Der Minister gehört der einflussreichen Regierungspartei "Die Demokraten" an. Auch zwei Minister der Grünen hatten mit ihrem Rückzug gedroht.

Die Rücknahme von Bordons Demission wenige Tage vor den Parlamentswahlen in Italien wurde vom Spitzenkandidaten der Regierungskoalition, Francesco Rutelli, begrüßt. Der 46-jährige Rutelli hatte Imageschäden für seine Koalition eine Woche vor den Parlamentswahlen am 13. Mai befürchtet. Die Mitte-Links-Koalition muss neun unterschiedliche Parteien zusammenhalten, die Mitglieder der Allianz sind.

Bordon hatte vor Ostern gedroht, den Strom abzuschalten, falls der Sender die vor zwei Jahren verschärften staatlichen Vorschriften für Elektrosmog nicht erfülle. Der Vatikan vertritt die Auffassung, die Emissionen entsprechen den internationalen Technikstandards. Zudem seien seine Amtsträger durch den Staatsvertrag von 1929 zur Gründung des Vatikanstaats geschützt. (APA)

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