Betreuung von Opfern familiärer Gewalt wird ausgebaut

5. Mai 2001, 13:37
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Pilotprojekt in der Region Mühlviertel

Die Interventionsstelle Linz hilft seit 1998 Opfern von Gewalt in der Familie – über 90 Prozent Frauen und Kinder – vor allem nach Einschreiten der Polizei oder Gendarmerie. Bei Gewaltausübung kann ein Angehöriger aus der Wohnung weggewiesen und ein Betretungsverbot ausgesprochen werden.

Die Interventionsstelle Linz ist für ganz Oberösterreich zuständig. Mit der bisherigen Ausstattung war nachgehende Sozialarbeit und Begleitung nur in Linz und Umgebung möglich. Das Bundesministerium für Inneres fördert nunmehr für den Zeitraum April 2001 bis Dezember 2002 ein Pilotprojekt der Interventionsstelle Linz. Damit wird ein erster Schritt zur Regionalisierung gesetzt und schwerpunktmäßig ambulante Betreuung und Vernetzung in der Region Mühlviertel ermöglicht.

Pilotprojekt in Freistadt

Ab Mai werden in der Frauenberatungsstelle BABSI Freistadt zweimal wöchentlich Sprechstunden abgehalten. Zwei Mitarbeiterinnen der Interventionsstelle, die Diplomierte Sozialarbeiterin Margit Hellwagner und die Juristin Maga Katharina Mayr bieten (Dienstag von 9 – 12 und Freitag von 8 – 11 Uhr) von Gewalt Betroffenen Beratung und Unterstützung an. In begründeten Fällen können Frauen auch vor Ort beraten werden.

Zudem sind in Zusammenarbeit mit dem Landesgendarmeriekommando für Oberösterreich bereits heuer vier Regionaltagungen in den Bezirken Rohrbach, Urfahr-Umgebung, Freistadt und Perg geplant. In diesen Arbeitskreisen erfolgt ein kontinuierlicher Austausch mit der Gendarmerie, insbesondere deren KontaktbeamtInnen, der Justiz, der Jugendwohlfahrt, den Frauenberatungseinrichtungen und dem Frauenhaus Linz.

Ziel des Pilotprojektes Mühlviertel ist es, in dieser Region eine nachhaltige Verankerung des Gewaltschutzgesetzes und von Gewaltprävention zu erreichen. Weiters steht es als wegweisendes Modell für weitere Regionen in Oberösterreich und anderen Bundesländern auf dem Prüfstand.

Der Ablauf

Seit Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes im Mai 1997 wurden in Oberösterreich bislang über 1000 Wegweisungen und Betretungsverbote durch Polizei und Gendarmerie verhängt. Diese werden der Interventionsstelle per Faxmitteilung bekanntgegeben und Mitarbeiterinnen nehmen anschließend mit den Betroffenen Kontakt auf. In einem telefonischen oder persönlichen Erstgespräch werden die aktuelle Situation erfasst und weitere Schritte erörtert. Innerhalb von zehn Tagen kann ein Antrag auf Erlassung einer einstweiligen Verfügung beim zuständigen Bezirksgericht das polizeiliche Betretungsverbot auf 20 Tage verlängern. Eine einstweilige Verfügung kann auch ohne Betretungsverbot beantragt werden. Sie kann für die Dauer von bis zu drei Monaten oder bis zum Ende eines Scheidungsverfahrens erlassen werden. Die Mitarbeiterinnen der Interventionsstelle – Juristinnen, diplomierte Sozialarbeiterinnen, Psychologin – bieten rechtliche und psychosoziale Beratung an, helfen beim Verfassen von Anträgen und begleiten Frauen als Vertrauenspersonen zu gerichtlichen Verhandlungen in familien- und strafrechtlichen Belangen. Die Aufgabe der Interventionsstelle ist es, Opfer von Gewalt in der häuslichen Sphäre zu unterstützen mit dem Ziel, ihre Sicherheit zu erhöhen.

Weiters hat die Interventionsstelle die Aufgabe, kontinuierliche Kommunikation und Zusammenarbeit mit allen beteiligten Behörden und Institutionen sowie den laufenden Ausbau der Kooperationsbasis zu betreiben. Es soll damit die Effizienz der Interventionen zum Schutz Gewaltbetroffener gesteigert werden. In interdisziplinären Arbeitskreisen von Exekutive, Gericht, Frauenberatungsstellen u.a. werden das Thema Gewalt in der Familie diskutiert und Überlegungen zur Gewaltprävention angestellt. (red)

Interventionsstelle Linz, Landstraße 82/II, 4020 Linz, Tel. 0732/607760, Fax /10

BABSI Freistadt, Schmiedgasse 25/2/18, 4240 Freistadt, Tel. 07942/72140

Nachlese: Kampagne gegen Gewalt an Frauen
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