Erste Babys mit künstlich veränderten Genen geboren

5. Mai 2001, 16:41
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Wiener Experte fordert Vorwarnsysteme für die "großen und nicht mehr überschaubaren Dinge, die auf uns zukommen"

London - Die weltweit ersten Babys mit künstlich veränderten Genen sind nach einem Bericht des britischen Rundfunksenders BBC in den USA auf die Welt gekommen. Bis zu 30 Babys seien mit Erbgut geboren worden, das nicht von ihren Eltern stamme. Ihre Mütter seien wegen Unfruchtbarkeit mit einer besonderen Therapie behandelt worden, bei der ihren Eizellen Material aus Eizellen von Spenderinnen eingesetzt wurde.

Auf diese Weise hätten die Babys Erbmaterial von zwei Frauen und ihrem Vater erhalten. Die Babys seien gesund. Wissenschaftler des Instituts für Reproduktiv-Medizin und Forschung in St. Barnabas im US-Bundesstaat New Jersey bestätigten BBC zufolge, dass die Babys Spender-Mitochondrien und damit Gene zweier Frauen hätten.

Bei der Behandlungsmethode wurden Mitochondrien von Spenderinnen transplantiert. Mitochondrien befinden sich im Zellkörper, der den Zellkern umgibt. Sie enthalten ihre eigene DNA, in der Erbgut gespeichert ist. Das im Zellkern gespeicherte Erbgut kommt mit den Mitochondrien nicht in Kontakt. Die Behandlungsmethode wird als unethisch kritisiert und ist in zahlreichen Ländern verboten.

"Wir müssen Vorwarnsysteme entwickeln"

Der WienerMediziner Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber von der Universitäts-Frauenklinik hat davor gewarnt, die Entwicklung der Medizin auf diesem Sektor zu ignorieren. "Wir können und dürfen nicht mehr die Augen vor den Leistungen und vielen Möglichkeiten der Medizin verschließen, wir müssen Vorwarnsysteme entwickeln", sagte der Forscher im Mittagsjournal des ORF-Radio.

Huber ist Vorsitzender der Bioethik-Kommission, die von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel als "Frühwarnsystem" für neue wissenschaftliche Entwicklungen eingerichtet wurde. Der Gynäkologe betonte, dass man vorbereitet sein müsse auf die "großen und nicht mehr überschaubaren Dinge, die auf uns zukommen".

"Die Gefahr des Missbrauchs ist sicher nicht so groß wie die Gefahr, dass man an die internationale wissenschaftliche Forschung nicht mehr heran kommt. Und ich fürchte schon, dass man aus lauter Angst um den Missbrauch ganz entscheidende Forschung in manchen Ländern Europas nicht mehr durchführt, und dass wir eine Zweite oder Dritte Welt werden, was die Wissenschaft und was Forschung betrifft", sagte Huber. (APA)

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