KfV-Studie: Österreichs Autobahnen gehören zu den gefährlichsten Europas

6. Mai 2001, 19:06
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Wenig Verkehr, viele Unfälle

"Was die Unfallrate und die Unfallschwere angeht, liegen die österreichischen Autobahnen in den Statistiken im absoluten Spitzenfeld" - das, so Verkehrssicherheitsexperte Klaus Robatsch, sei das Ergebnis einer brandneuen Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV).

Die Unfallrate auf Österreichs Autobahnen liegt bei 0,157 Unfällen mit Personenschaden pro einer Million gefahrener Kfz-Kilometer. Nur Fahrten auf den "Autostrade" Italiens (0,200) und US-amerikanischen Highways (0,243) sind noch riskanter. In Frankreich (0,067) und Großbritannien (0,106) dagegen sind die entsprechenden Kennzahlen deutlich niedriger.

Bei der Getötetenrate (Getötete pro Milliarden Kfz-Kilometer) fällt der Unterschied noch viel größer aus (siehe Grafik): Vor Österreich (mit 10,17 Toten auf einer Milliarde Kfz-Kilometer) liegen nur Ungarn (16,12), die Tschechischen Republik (13,31) und Italien (10,30). Die Werte der Schweiz (4,41), Deutschlands (4,13) und Großbritanniens (2,13) indes sind um ein Vielfaches besser.

Die vermutete Ursache für das schlechte Abschneiden der hiesigen Autobahnen ist laut Studienautor Robatsch die geringere Verkehrsstärke in Österreich: "In den Ballungsräumen Deutschlands und Großbritanniens ist auf den Straßen einfach mehr los. Solche Strecken eignen sich nicht zum Rasen und dementsprechend weniger tödliche Unfälle gibt es auch."

Diese Einschätzung belegen auch die vom Kuratorium erhobenen Daten zu den häufigsten Unfalltypen auf Österreichs Autobahnen: 43 Prozent der Unfälle mit Personenschaden sind Auffahrunfälle, 38 Prozent so genannte Alleinunfälle (die meistens auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sind).

Genau hier sieht KfV-Mann Robatsch einen Ansatzpunkt für die Hebung der Verkehrssicherheit: Die Geschwindigkeiten und Abstandsverhalten müssten rigoros kontrolliert werden, dann würden sich auch die Unfallzahlen rasch senken lassen. Ein gutes Beispiel dafür sei Deutschland. Seit dort ein Mindestabstand von 0,9 Sekunden (oder rund 50 Meter) zum Vorderwagen vorgeschrieben sei, würden die Autobahnen der Bundesrepublik von Jahr zu Jahr sicherer. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.5.2001)

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