Temelín nähert sich dem Finanz-Fiasko

4. Mai 2001, 22:35
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Verzögerungen durch Technikschäden sprengen das Budget

Prag/Wien - Am Tag nach der wegen defekter Turbinenwellen erfolgten Abschaltung des südböhmischen Atomkraftwerks Temelín mehrte sich am gestrigen Freitag die Forderung der Atomstromgegner, das Werk endgültig aufzugeben. Wie berichtet, hatte der tschechische Energiekonzern (CEZ) Donnerstagabend mitgeteilt, dass mit einer Fortsetzung des Probebetriebs erst im Juli zu rechnen ist. Bis dahin, sagte CEZ-Sprecher Daniel Castvaj, bleibe die Kettenreaktion gestoppt und der gesamte Block abgestellt.

Die andauernden technischen Probleme stellen auch die offiziell festgelegte Höchstsumme für die Fertigstellung des Kraftwerksbaus immer mehr in Frage. Die Prager Regierung hat im Mai 1999 maximale Kosten in der Höhe von 98,6 Milliarden Kronen (39 Mrd. S/2,83 Mrd. EURO) gebilligt. Obwohl schon jetzt klar ist, dass der erste Reaktor den kommerziellen Betrieb mit mindestens zwei- bis dreimonatiger Verspätung aufnehmen wird, will kein Politiker oder Vertreter des Tschechischen Energiekonzerns (CEZ) offen sagen, dass diese Summe erneut überschritten werden könnte.

In Prag hält man weiterhin an 98,6 Milliarden Kronen fest, auch wenn nach Medienberichten die Rede davon ist, dass jeder Tag Verspätung etwa 20 zusätzliche Millionen Kronen kostet.

Der EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen hat am Freitag bei einem Pressegespräch im Wiener Rathaus an die Beteiligten in Österreich und Tschechien appelliert, den Melker Prozess im Zusammenhang mit dem AKW "konstruktiv und in gutem Geist fortzuführen". Sein bisheriger Eindruck sei, dass "Tschechien sehr kooperativ" vorgehe. (APA/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.5.2001)

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