Die WHO sagt der Schlafkrankheit den Kampf an

5. Mai 2001, 19:52
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"Ärzte ohne Grenzen" und der Pharma-Konzern Aventis sind ihre Mitstreiter gegen die tödliche Infektion

Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis wollen gemeinsam die rasche Ausbreitung der so genannten Schlafkrankheit in Afrika stoppen. Die "Ärmsten der Armen" sollten auch in abgelegenen Regionen Medikamente gegen die "fürchterliche tödliche" Infektionskrankheit erhalten, sagte WHO-Generalsekretärin Gro Harlem Brundtland am Donnerstag in Genf.

Der Aventis-Pharmakonzern will die WHO in den kommenden fünf Jahren mit 25 Millionen US-Dollar (388 Mill. S) unterstützen. Das Geld soll zur Hälfte für Medikamente sowie für die Überwachung der Krankheit und Forschung ausgegeben werden. Die Medikamente sollen von Mitarbeitern der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" selbst in abgelegenen und vom Bürgerkrieg betroffenen Regionen verteilt werden.

60 Millionen potenzielle Opfer

Mindestens 60 Millionen Menschen in 36 afrikanischen Ländern sind nach Schätzungen der WHO von der Schlafkrankheit bedroht, die von der Tsetse-Fliege übertragen wird. Bereits mehr als eine halbe Million Afrikaner sind bereits infiziert.

In Angola, in der Demokratischen Republik Kongo, Kamerun sowie im Sudan, in Uganda und Tschad sei die Situation besonders Besorgnis erregend, sagte Brundtland.

Nach Schätzungen der WHO erhält derzeit nur jeder zehnte Infizierte eine fachgerechte Behandlung. Hilfsorganisationen warnen, dass ohne Hilfe eine Epidemie wie vor 70 Jahren droht. In den 60er Jahren galt die Schlafkrankheit als weitgehend ausgerottet. Gemeinsam mit der Immunschwächekrankheit Aids ist die Schlafkrankheit derzeit die am meisten verbreitete Todesursache in der Region.

Zwei Stadien

Die in der Fachsprache als afrikanische Trypanosomiasis bezeichnete Infektionskrankheit verläuft meist in zwei Stadien. Im ersten Stadium treten Fieberschübe, Schwellungen der Lymphknoten sowie Hautausschlag auf. In der fortgeschrittenen Phase gelangen die Erreger in das Zentralnervensystem. Ohne Behandlung endet die Infektionskrankheit tödlich.

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" begrüßte die gemeinsame Initiative von WHO und Aventis. Jahrelanger internationaler Druck sei nötig gewesen, um eine Wiederaufnahme der 1995 eingestellten, nicht profitablen Produktion des bisher wirksamsten Medikaments, Eflornithin, zu erreichen, heißt es in einer Presseerklärung. Nach Schätzungen seien jedes Jahr Mittel in Höhe von mindestens 40 Millionen Dollar (620 Mill. S) zur Bekämpfung der Krankheit nötig. (APA/dpa)

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