Drobollach am Faaker See

7. Mai 2001, 13:19
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Man kennt jede Menge Eilande, zugegeben. Aber die Insel im See war Susanne Mitterbauer bis vor kurzem noch völliges Neuland.

Erster Tag

Drobollach ist ein netter Ort, mit allem was der Sommerfrischler so braucht, von der Post zum Supermarkt, von der Trafik zum Café. Und ein Strandbad und viel Grün. Das Motorboot (übrigens das einzige auf dem See, abgesehen von dem der Polizei) tuckert vom altmodischen Bootshaus am Ufer zum noch altertümlicheren auf der Insel. Sieben Hektar ist sie groß, das heißt in 20 Minuten leicht zu umrunden. Auf schmalen Waldwegen, nahe am smaragdgrünen Wasser in dem alte Stämme liegen, als Fluchtort für die Fische und Landeplatz für die Enten. Im Winter wenn das Hotel zusperrt und die Insel total verlassen ist, leben auch Rehe hier. Im Sommer schwimmen sie auf die nahegelegene Halbinsel, das sind immerhin 200 Meter. Nur knapp ein Viertel der Fläche steht der Gastronomie zur Verfügung. Damit werde ich mich "ganz persönlich" noch näher befassen. Soviel schon jetzt, die Insel sowie der gesamte See sind in privater Hand. Und die Besitzerfamilien schauen auf ihr Refugium, von einem Paradies zu sprechen, ist hier ganz und gar nicht abwegig. Aber auch Paradiese wollen verlassen sein, um so mehr als die Umgebung auch ihre Reize hat. Genug von Wassersport jeder Art, jetzt wird das Rad be- stiegen.
So eine Rundtour um den See hat viel für sich. Sie ist nicht schwer, sie ist zum großen Teil flach, sie macht Spaß und bietet jede Menge Fixpunkte, wo man unbedingt verweilen muss. Bei einer der größten Modell-Eisenbahnen Europas in Faak, beim gotische Kirchlein in Egg und beim berühmten Marterl. Übrigens ist dieses nicht das einzige, überall stehen sie herum und bieten nicht nur schöne Fotomotive, sondern auch meditative Ruhepunkte.


Zweiter Tag

Es ist 6 Uhr früh, aber es muss sein. Ununterbrochen hat uns der Mittagskogel angesehen, bis ins Zimmer und ins Bett hat er uns optisch verfolgt. Wir müssen ihn besteigen und betreten damit das Privateigentum des Kärntner Baumeisters Robert Rogner. Dankenswerterweise führt die Forststraße über Unteraichwald ziemlich hoch hinauf. Wir haben drei Stunden vor uns und nehmen den versicherten Klettersteig. Weniger Kühnen raten wir zur Wanderroute. Wie auch immer, oben auf 2143 Metern neben dem Gipfelkreuz haben wir einen einmaligen Blick. Bis tief hinein ins wilde Slowenische über Triglav- und Mangartgruppe zur Karnischen Hauptkette auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite das milde Kärntner Seengebiet. Beim Abstieg schauen wir noch beim idyllischen Aichwaldsee vorbei. Und zu Mittag sind wir schon wieder im Tal. Was für ein wunderbarer Vormittag. Und wir sind auf den Geschmack gekommen. Unweit der Burgruine Finkenstein, deren Veranstaltungen aus dem Kulturprogramm des Sommers nicht wegzudenken sind, gibt es auf dem Kanzianiberg eine 700 Meter hohe senkrechte Felswand, die als Klettergarten dient. Für Kenner: 400 Routen der Schwierigkeitsgrade II bis X und A2. Dazu kommen der pressemäßig sehr bekannte Affenberg mit den Makaken und die Ruine Landskron mit der Greifvogelschau.

Anreise:
Mit der Bahn bzw. Auto über Villach. Ab Drobollach das hoteleigene Fährboot, das keinen Fahrplan hat, aber auf ein Signal kommt. Es befördert auch bis spät in die Nacht vergnügungssüchtige Gäste wieder retour.

Inselhotel:
42 Zimmer im Haupthaus, daneben die "Villa Muh", ein ehemaliger Kuhstall, heute mit einfachen Unterkünften für Kids, die wenigstens in den Ferien, nicht mit den Eltern wohnen wollen. Tennis, Fischereirecht, Badehaus aus dem vorigen Jahrhundert. Hoher Stammgästeanteil.
Tel. (04254) 21 45
info@inselhotel.at
www.inselhotel.at

Burgruine Landskron:
ebenfalls im Besitz der Familien Burger und Catasta. Herrensitz aus der Renaissance, heute gute Restaurants mit atemberaubendem Terrassen-Rundblick. Im Sommer eine nicht minder beeindruckende Greifvogel-Schau.
Tel. (04242) 415 63

Noch etwas Tierisches:
Die Geschichte des Affenfelsens, sehr bekannt geworden durch den Ausbruch der Makaken vor einigen Jahren, hat sich beruhigt. Die Affen leben frei in einem sehr großen, selbstverständlich eingezäuntem Areal und vermehren sich stark. Die Besucher dürfen, nur mit Führung, auf bestimmten Wegen durch das Gelände.

Wanderer und Kraxler:
Ideale Bedingungen in der gesamten Region. Es gibt überall Alpinschulen und Klettergärten. Geführte Wandertouren sind eine Selbstverständlichkeit, alle Schwierigkeitsgrade möglich.

Tourismusbüro:
Tel. (04242) 42 00 00
office@vi-fa-os.at
www.tiscover.com/vifaos

Ganz persönlich

Das Wetter sollte passen, aber dann - ein Baden in Nostalgie. Einst war die Insel ein verlassenes Eiland mit dichtem Wald bewachsen. Dann kamen ab 1686 Grafen, Ritter und die Fürsten von Liechtenstein. Nach wechselvollen Erb-Adoptions- und Schenkungs-Geschichten ist die Insel heute im Privatbesitz der Familien Bucher und Catasta. Die wiederum müssen ihr Geld nicht unbedingt mit der Hotellerie verdienen, was sich sehr angenehm bemerkbar macht. Alles ist angenehm normal, die Küche herrlich lokal, die Zimmer ohne Schnick-Schnack und ohne Fernsehen, kein Ferienstress. Die Tage vergehen in wunerbarer Einheit mit der Natur und in völliger Ruhe.

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