Ewige Baustellen

4. Mai 2001, 22:49
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Österreichs Autobahnen sind ein Sanierungsfall - eine Heerschar von Autofahrern stimmt in diese Wehrufe ein. Der Vignettenpreis wurde Anfang des Jahres verdoppelt, als Gegenleistung gibt es Rumpelpisten. So sehen das pointiert die Vertreter der Autofahrerklubs. Die Autobahngesellschaft wähnt sich in der Rolle der zu Unrecht Geprügelten: Man habe den Erhaltungsaufwand in den vergangenen Jahren verdoppelt, und noch mehr Baustellen vertrage das heimische Netz nicht, soll das Verkehrsgeschehen darauf nicht zusammenbrechen.

Beide haben Recht. Die Versäumnisse liegen Jahre zurück, mitunter sogar Jahrzehnte. Wenn eine Straße einmal ordentlich kaputt ist, siehe Westautobahn, dann braucht es einen umso größeren Aufwand, sie wieder in Ordnung zu bringen. Wenn genug Geld da ist, könnte dieses Unterfangen zum Beispiel innerhalb der nächsten zehn Jahre gelingen. Das bestätigt die Autofahrer in ihrer Empfindung, auf "ewigen Baustellen" unterwegs zu sein.

Wenn genug Geld da ist. Daran hapert es, das ist wieder ein Versäumnis. Roadpricing für Lastautos könnte längst Wirklichkeit sein. Immer wieder wurde am System getüftelt, so lange, dass seine Einführung nicht absehbar ist.

Und das ist immer noch erst die halbe Wahrheit. In der Vergangenheit wurde budgetschonend gewirtschaftet - der Straßenbau wurde "ausgelagert", es wurde mit Krediten finanziert, und die sind nun zurückzuzahlen. Alleine die Zinsen verschlingen Milliarden. Man könnte sagen, wir haben auf Pump gebaut. Vor allem aber eines: Kostenwahrheit ist nach wie vor ein Schlagwort in der politischen Diskussion. Würde danach gewirtschaftet, könnte deutlich mehr für gut ausgebaute und damit sichere Straßen getan werden.
(DER STANDARD, Printausgabe, 5.5.2001)

von Otto Ranftl
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