Fünf Milliarden für die ÖIAG

4. Mai 2001, 19:22
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Gelbe Post muss 4,6 Milliarden Schilling Sonderdividende an Staatsholding zahlen

Wien - Die Verstaatlichtenholding ÖIAG kommt ihrem Ziel, die Schulden heuer von 44 auf 30 Milliarden Schilling abzusenken, einen großen Schritt näher: Die gelbe Post wird für 2000 nicht nur fast ihren gesamten Jahresüberschuss von 400 Millionen Schilling (29,1 Mio. Euro) an die Staatsholding abliefern, sondern auch eine fette Sonderdividende.

Wie am Freitag bekannt wurde, hat der Post-Finanzausschuss auf Wunsch seines Aufsichtsratsvorsitzenden, ÖIAG-Chef Johannes Ditz, beschlossen, dass die Post auch eine Sonderdividende in Höhe von 4,6 Mrd. S ausschütten muss. Insgesamt zieht der Eigentümer von der Post damit rund fünf Mrd. S ab.

Bus fährt ab

Rechnet man noch hinzu, dass für die Ausgliederung des Postbusses in die ÖIAG, die Anfang 2000 wirksam wurde, weitere 1,9 Mrd. S an die Staatsholding transferiert werden, muss die Post insgesamt einen Abgang von fast sieben Milliarden Schilling hinnehmen, rechnet ein Mitglied des Postaufsichtsrates vor. Der Griff in die „Portokasse“ sei nicht unumstritten - die Arbeitnehmervertreter stimmten dagegen -, aber richtig. Denn die Post weise einen enormen Überhang an liquiden Mitteln auf, die noch dazu schlecht verzinst seien.

Allerdings stehen in den nächsten Jahren Investitionen um rund vier Milliarden Schilling an. Diese sollen in eine neue Logistik mit sechs Briefverteilzentren und neuen Zustellbasen fließen. Hinzu kommen teure Umstrukturierungsmaßnahmen bevor. Vor allem der geplante Abbau von 6000 Mitarbeitern werde in den nächsten Jahren schwer auf den Briefträgern lasten.

Geld im Überfluss

Und: Die Post verfüge nach dem Kapitalabfluss über einen Eigenkapitalanteil von rund 50 Prozent, 2000 waren es 57 Prozent gewesen, 1999 „nur“ 53 Prozent. Unüberhörbar ist die Kritik am Post-Management: Da die laufenden Kredite in Höhe von rund einer Mrd. S deutlich mehr kosten würden, als der Ertrag des rund 14 Mrd. S schweren Eigenkapitals einbringe, sei die Verwendung des Geldes zur Schuldentilgung der ÖIAG gerechtfertigt. Die Eigenkapitalrendite betrage durchschnittlich nur fünf Prozent, so das Aufsichtsratsmitglied.

Zudem sei die Bilanz durch außerordentliche Erträge „geschönt“, denn das Finanzergebnis sei im Jahr 2000 von 180 auf 287 Millionen Schilling gestiegen. Was die Post-Kontrollore besonders wurmt: Es gebe keine Investitions- oder Expansionspläne, die die Bildung von Rückstellungen in diesem Ausmaß rechtfertigen würden.

ÖIAG-Chef Ditz habe der Post im Gegenzug zugesagt, bis 2004 keine weitere Sonderdividende mehr abzuverlangen, so das via Aussendung verbreitete, karge Statement von Post-Generaldirektor Anton Wais zum Griff in die „Portokasse“ durch die ÖIAG. Dadurch sei sichergestellt,dass die Post ihre Vorwärtsstrategie verstärkt weiterverfolgen könne.

Die Bilanz 2000: Nach vorläufigen Zahlen erreichte die Post im Geschäftsjahr 2000 ein Betriebsergebnis (Ebit) von 227 Mio. S gegenüber 521 Mio. S im ersten Bilanzjahr nach der Ausgliederung. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) beträgt 539 (687) Mio. S, der Umsatz bracht von 24,8 auf 21,1 Mrd. S ein. Die Zahl der Mitarbeiter wurde um 1000 auf 31.560 reduziert. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 5.5.2001)

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