"Weise Frauen" vertrauen auf Kosten der Kassen

4. Mai 2001, 21:06
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(Berufs-)Infos zum Hebammentag

Baden - Die Geburt eines Kindes könne für eine Frau "die schönste Sache der Welt" sein, ist Christine Hammerschmid überzeugt. Wenn die werdende Mutter genug Vertrauen aufbringe, um sich "richtig fallen zu lassen". Um nicht anzukämpfen gegen die Wehen, die Schmerzen und die Angst vor ihnen - eine Fähigkeit, die meist auf Übung beruhe.

Übung, sprich Geburtsvorbereitung, am besten bei einer Hebamme wie ihr: Mit Beckenbodentraining und Entspannungstechniken - Angebote der bundesweit 1550 "weisen Frauen", erläutert die Leiterin der niederösterreichischen Hebammen-Geschäftsstelle.

In der Entbindungsstation dann hätten sie und ihre Kolleginnen schon laut Gesetz das Zepter inne: "Geburtshilfe" bei Niederkünften ohne Komplikationen obliegt den Hebammen, im Unterschied zur "Geburtsmedizin", die Aufgabe der Ärzte ist. Deshalb, so Hammerschmid, gebe es in Krankenhäusern eine fixe Zahl angestellter Hebammen.

Nur selten jedoch betreue eine Hebamme "der freien Wahl" die werdende Mutter im Spital: "Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht". Ein Paradoxon: "Hausgeburten werden durchaus bezahlt". Und ein Thema für den am Samstag, den fünften Mai begangenen Internationalen Hebammentag.

Ihn nahm Wiens Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (SP) zum Anlass, um auf die Leistungen der Familienhebammen hinzuweisen, die kostenlose und an keine Versicherung gebundene Beratung und Betreuung für Schwangere in der Bundeshauptstadt anbieten. In Baden planen Hammerschmid und ihre Kolleginnen am Samstag zwischen zehn und 15 Uhr einen Infostand auf dem Theaterplatz. Unter anderem, weil viele Schwangere "nicht wissen, dass seit März 2001 eine der vier im Mutter-Kind-Pass vorgesehenen Untersuchungen von einer Hebamme durchgeführt werden kann" - auf Kosten der Kassen.

Gesucht: Der erste "Hebammer"

Man wolle aber auch Frauen mit beruflichem Interesse ansprechen, sagt die oberste Landeshebamme. Und Männer: Seit drei Jahren stehe die Ausbildung zum "Hebammer" laut Gesetz auch dem - bisher - nicht gebärenden Geschlecht offen. Gemeldet habe sich bisher aber noch keiner. Vielleicht, weil sich - so Hammerschmid - "ein Mann in eine schwangere Frau unmöglich voll und ganz hineinfühlen kann". (bri)
(DER STANDARD, Printausgabe, 5.5.2001)

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