Weltbörsen: Die Luft ist vorerst raus

4. Mai 2001, 18:07
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Dow Jones stieg in fünf Wochen um 20 Prozent - RZB rät zu Verkauf in Stärkephasen - Pharma wieder von Interesse

Wien - Das Pulver an den internationalen Aktienmärkten dürfte fürs Erste verschossen sein, glauben die Aktienexperten der Raiffeisen Zentralbank (RZB). Das betreffe vor allem die New Yorker Börse. Angesichts der Geschwindigkeit und des Ausmaßes der jüngsten Erholungsbewegung von 20 Prozent in den letzten fünf Wochen werde der Dow Jones Industrials die 11.000er Marke in diesem Anlauf nicht mehr nehmen können. Dagegen erwarten die Experten der Erste Bank für die US-Aktienmärkte in Summe eine freundliche Woche.

Die am Freitag veröffentlichten Arbeitslosenzahlen seien wesentlich schlechter ausgefallen als erwartet, sagte eine Analystin der Bank Austria. Der Rückgang der Beschäftigtenzahl war der größte seit der Rezession 1991, die Arbeitslosigkeit die höchste seit 1998. Angesichts dieser Daten sei fraglich, wie angemessen die Zuversicht angesichts der jüngsten Unternehmensdaten gewesen sei. Die US-Notenbank werde sich vor ihrer nächsten Sitzung am 15. Mai die nächsten Inflationsdaten am kommenden Freitag "ganz genau ansehen".

"Goldene Woche" in Tokio

Die wichtigsten Börsen zeigten sich in der abgelaufenen Woche mit uneinheitlicher Entwicklung. Den kräftigsten Zuwachs verzeichnete die Tokioter Börse, die aber auf Grund der "goldenen Woche", einer Ansammlung von Feiertagen, nur an zwei Tagen offen hatte. Die Investoren zollen dem neuen äußerst populären Premierminister Vorschusslorbeeren, meint die Erste Bank, die festere Kurse in Tokio erwartet.

"Selektive Wahrnehmung" an der Nasdaq

Freundlich zeigte sich auch die US-Technologiebörse Nasdaq mit einem Wochenplus von 2,3 Prozent. An der Nasdaq seien die Anleger wieder dabei, "in das Verhaltensmuster der selektiven Wahrnehmung" zu verfallen und auf positive Nachrichten zu reagieren und negative auszublenden, findet die RZB. Auf dieser Welle könnte der Markt noch nach oben "surfen". In weiterer Folge stünden jedoch wieder Korrekturen ins Haus. Kurzfristig orientierte Investoren sollte deshalb in Stärkephasen verkaufen. Dies rät die RZB auch für Euroland-Aktien.

Gewinnentnahmen in Frankfurt

Der wichtigste deutsche Aktienindex, der Dax, verlor im Wochenvergleich fast 2 Prozent. Gründe waren Gewinnmitnahmen und mangelnde Kaufbereitschaft, so die Erste Bank. Sie erwartet für nächste Woche eine Seitwärtsbewegung. Die fehlende Kaufbereitschaft weise zudem auf eine kurze Konsolidierungsphase hin. Sowohl Dax als auch der Neue Markt Index Nemax sollten sich anschließend wieder in Richtung März-Hoch bewegen. Der Nemax gab im Wochenvergleich 0,50 Prozent nach.

Die europäische Technologiebranche dürfte von der inzwischen wieder hohen Bewertung der Nasdaq negativ betroffen werden. Bald sollte wieder andere Branchen, etwa die Pharmabranche, in den Vordergrund rücken. Viele Unternehmen hätten eine prall gefüllte Produktpipeline. Zudem könnten Spekulationen hinsichtlich weiterer Übernahmen und Fusionen zusätzliche Impulse verleihen, meint die RZB.

Talsohle durchschritten

In der kommenden Woche stehen laut Erste Bank in den USA insgesamt 763 Ergebnisveröffentlichungen für das 1. Quartal an. Bisher hätten 87 Prozent der im S&P 500 gelisteten Unternehmen ihre Zahlen bekannt gegeben, 56 Prozent wiesen dabei positive Gewinnüberraschungen aus. "Von fundamentaler Seite sollte demnach die Talsohle durchschritten sein", so die Erste Bank. (APA)

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