Angriffe der Separatisten in Tschetschenien dauern an

6. Mai 2001, 14:28
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Zehn Sicherheitskräfte in 24 Stunden getötet - Prorussische Verwaltung zieht sich wieder aus Grosny zurück

Nasran - Bei Angriffen tschetschenischer Separatisten sind seit Freitag binnen 24 Stunden zehn russische Sicherheitskräfte getötet und 20 weitere verletzt worden. Ebenfalls ermordet wurde südlich von Grosny einer der prominentesten islamischen Geistlichen der Kaukasusrepublik, der sich um Frieden bemüht hatte, wie Behörden am Samstag mitteilten. Mullah Nasruddin Matujew war am Freitag unterwegs zu seiner Wohnung in dem Dorf Nowije Atagi, als er von zwei Angreifern erschossen wurde. Die Staatsanwaltschaft machte Anhänger des Rebellenführers Schamil Basajew für den Tod des 76-Jährigen verantwortlich.

Unterdessen wurden bei 15 Angriffen auf Militärposten vier Soldaten getötet und zehn weitere verletzt, wie die prorussische Regierung mitteilte. Zwei Polizisten kamen ums Leben, als ihr Fahrzeug in Grosny auf eine Mine auffuhr. In dem Vorort Tschiri-Jurt fuhr ein Jeep ebenfalls auf eine Mine auf, anschließend wurden die Insassen von Rebellen angegriffen. Diese töteten drei Soldaten und verletzten einen weiteren. Bei einem Überfall auf einen Militärkonvoy in der Region Schali wurden ein Soldat getötet und neun verletzt.

Rückzug der Prorussische Verwaltung

Nur zwei Wochen nach dem Umzug in die tschetschenische Hauptstadt will sich die prorussische Verwaltung der Kaukasusrepublik wieder aus Grosny zurückziehen. Der Leiter des Inlandsgeheimdienstes (FSB), Nikolai Patruschew, erklärte am Samstag nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax, die Umstände für eine sichere Arbeit der Verwaltung seien in Grosny noch nicht gegeben. Die Büros sollen wieder zurück nach Gudermes, die zweitgrößte Stadt der Republik, verlegt werden.

Angesichts der anhaltenden Angriffe traf sich der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow in der südrussischen Stadt Jessentuki mit dem Leiter des Inlandsgeheimdienstes (FSB), Nikolai Patruschew, Innenminister Boris Gryslow und Gesundheitsminister Juri Schewtschenko, um über das weitere Vorgehen in Tschetschenien zu beraten. Iwanow sagte vor Journalisten, seit Jänner habe Moskau 5.000 Soldaten aus der Kaukasusrepublik abgezogen. Eine weitere Truppenreduzierung sei aber nicht geplant. (APA/AP)

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