Die Suche nach Herrn Popper

4. Mai 2001, 18:12
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Das Leopold Museum gewährt erstmals einen Blick ins Inventar

Wien - Seit Freitagvormittag gilt das Leopold Museum als eröffnet - zumindest in virtueller Hinsicht. Im exklusiven Rahmen wurde ein erster Blick auf den musealen Webauftritt gestattet, der nunmehr allen Usern möglich ist.

Dieser Besuch ist deutlich günstiger als jener ab 22. September in Echtzeit: Mit 125 Schilling (beziehungsweise neun Euro) für den regulären Eintritt wurde der Preis bewusst hoch angesetzt. "Wir verstehen uns als österreichisches Nationalmuseum", meinte Vorstandsmitglied Christian Meyer, und als solches hätte man "skandalös wenig Geld zur Verfügung". Mit bis zu 25 Reisebussen täglich rechnet man in der Zukunft. In Anbetracht der Parkplatzsituation ist der Megastau auf der Zweierlinie vorprogrammiert.

Für www.leopoldmuseum.org gilt dies alles freilich nicht. Es sei, so Meyer, bewusst nicht auf "technische Kinkerlitzchen, sondern auf den Inhalt" Wert gelegt worden. So werden alle 5286 Objekte der Sammlung aufgelistet und mit Angaben zur Provenienz ergänzt. Die Datenbank liefert aber weder eine Größenangabe noch eine Abbildung der Objekte.

Bereits seit 1995 sei Provenienzforschung für die Stiftung ein Thema, betonte Romana Schuler, die Assistentin Rudolf Leopolds. Aufgrund des Umfangs ("Leopold hat ja jede Woche drei Bilder gekauft, so wie andere Bücher"), der heterogenen Zusammensetzung und der oft schlechten Dokumentations-Ausgangslage der Bestände sieht man dies als ein komplexes und entsprechend langfristig angelegtes Forschungsprojekt.

Vorstandsvorstand Helmut Moser führte als Beispiel Egon Schieles Gemälde Häuser des Klosterneuburger Rathausplatzes an, das, wie der STANDARD am 30. März berichtete, Baron Leopold Popper gehört hatte. Laut Moser hätten die Nationalsozialisten "eine erschütternde und unmenschliche Dokumentationstreue an den Tag gelegt", es seien zwei Poppers arisiert worden. Der eine sei ein Waffensammler gewesen, der andere "ein Städteljude", der "gar nichts besessen" habe. Deshalb müsste es vermutlich einen Dritten geben. Für ergänzende Hinweise - auch zu anderen Kunstwerken - wäre der Vorstand dankbar.

Der STANDARD ist mit dem Sohn des ominösen Herrn Popper in Kontakt.
(kron/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6. 5. 2001)

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