ExpertInnen für radikale Pensionsreform

4. Mai 2001, 17:08
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IHS schlägt persönliches Pensionskonto und Gleichstellung von Mann und Frau vor

Wien - Das Institut für höhere Studien (IHS) hat der im Auftrag der Regierung arbeitenden Pensionsreformkommission eine Studie vorgelegt, die zu einer radikalen Reform des österreichischen Pensionssystems rät. Kernpunkte des Vorschlages sind:

  • Die Einführung eines persönlichen Pensionskontos, auf dem alle Einzahlungen verbucht werden. Dadurch wäre es der/dem Versicherten möglich, jederzeit sein "Guthaben" zu überprüfen und gegebenenfalls zu reagieren.

  • Die Vereinheitlichung aller Systeme wie etwa der gewerblichen Wirtschaft, der BäurInnen, der Angestellten.

  • Die Gleichbehandlung von Männern und Frauen.

  • Einen "Pensionssicherungsbeitrag", der von den PensionistInnen eingehoben wird.

  • Die Erhöhung des Pensionsantrittsalters als letztes, aber wirksames Mittel, um die Finanzierung zu sichern.

Die Reform soll zu deutlich erhöhter Transparenz führen, zu größerer Kostenwahrheit und zu einer klaren Trennung zwischen dem sozialen Prinzip, das eine gewisse Grundsicherung gewährleistet, und der "zweiten Säule", die nach dem Versicherungsprinzip funktionieren soll. Durch versicherungsmathematisch genaue Berechnungen der Ansprüche würden die Anreize zum vorzeitigen Pensionsantritt beseitigt, hofft das IHS.

Eigenes Konto

Am persönlichen Pensionskonto würden alle Einzahlungen im Laufe des Arbeitslebens gebucht werden. Beim Pensionsantritt würde dann nach dem Vorschlag des IHS der angesparte Kapitalstock in eine auf die statistische Lebenserwartung ausgerichtete Rentenversicherung umgewandelt.

Natürlich handelt es sich dabei nur um einen "fiktiven" Kapitalstock, da ja weiter das Umlageverfahren zur Anwendung kommt: Die arbeitende Generation zahlt die Renten der PensionistInnen (Generationenvertrag). Nichtsdestotrotz wäre durch den Kapitalstand am Konto der Anspruch des Versicherten "greifbar und transparent", meint das IHS.

Das eigene Konto würde auch den Vorteil mit sich bringen, dass Einzahlungen genau zugeordnet werden könnten: So könnte etwa ein Teil des Pensionsbeitrages nicht auf das eigene Konto, sondern auf das des/der EhepartnerIn überwiesen werden und so die Witwer- und Witwenpensionen ersetzen, meinen die StudienautorInnen. Auch die Bezahlung von Ersatzzeiten wäre dann klar geregelt: Das Innenministerium müsste auf die Konten von Zivildienern einzahlen, das Bundesheer auf das von Präsenzdienern, der Familienlastenausgleichsfonds müsste für Kindererziehungszeiten auf das Konto einzahlen.

Zwei Säulen

Prinzipiell soll das Pensionssystem auf zwei Säulen gebaut werden: Die erste Säule solle als "Ausdruck der staatlichen Solidargemeinschaft" eine Mindestabsicherung bieten, zusätzliche Zahlungen und Ersatzabgeltungen würden auf die versicherungsmathematisch aufgebaute zweite Säule eingezahlt werden. Je höher dort die Einzahlungen, desto höher dort die Pension.

Ein weiterer Effekt der eigenen Konten wäre die Auflösung der zersplitterten Penionssysteme von BäurInnen, Gewerbetreibenden und Angestellten zu einem System. Die Vereinheitlichung schließe auch eine "unverzügliche" Angleichung des Pensionsantrittsalters von Männern und Frauen ein, schreiben die WirtschaftsforscherInnen.

Um den - durch diese Reformschritte noch nicht gelösten - Finanzierungsproblemen zu begegnen, seien auch Pensionssicherungsbeiträge von PensionistInnen einzuheben und das Pensionsantrittsalter anzuheben, sagen die StudienautorInnen.

(mimo, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05./06.05.2001)

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