Bank Burgenland: Licht am Ende des Tunnels

4. Mai 2001, 17:38
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Sanierung formal abgeschlossen - Suche nach Hom Rusch-Geldern ohne Erfolg

Eisenstadt - Die durch Kreditausfälle aus dem Hom-Rusch-Skandal und hohe Wertberichtigungen in beträchtliche Turbulenzen geratene Bank Burgenland sieht wieder Licht am Ende des Tunnels. Zumindest Vorzugsaktionäre erhalten wieder eine bescheidende Dividende. Die Hauptversammlung der EB und Hypo-Bank Burgenland Freitag Nachmittag in Eisenstadt hat beschlossen, aus dem Bilanzgewinn von 5 Mill. S (363.364 Euro) des Geschäftsjahrs 2000 sowohl als Nachzahlung für 1999 als auch für 2000 je Vorzugsaktie eine Dividende von 0,44 Euro oder sechs Prozent auszuschütten. Je Partizipationsschein (PS) wird - ebenso für 1999 wie auch für 2000 - ein Gewinnanteil von 4,40 Euro oder sechs Prozent gewährt.

Sanierung

Der Kreditausfall in der Causa Hom-Rusch belief sich auf 2,35 Mrd. S; eine Ende 2000 abgeschlossene Debitorenprüfung ergab einen weiteren Wertberichtigungsbedarf von 2,6 Mrd. S. Eine Garantieerklärung und eine Ausfallshaftung des Landes Burgenland als Mehrheitseigentümer rettete die Bank. "Formal ist die Sanierung abgeschlossen", berichtete der als Sanierer mit 1.1.2001 geholte Vorstandsvorsitzende Wolfgang Ulrich in der Hauptversammlung. "Uns ist aber klar, dass die Arbeit erst jetzt so richtig beginnt."

"Centurion" als weiterer Prüfer bestellt

Die Hauptversammlung der Bank Burgenland hat am Freitag - zusätzlich zur KPMG Alpen-Treuhand - die Centurion Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei des ehemaligen Finanzministers Andreas Staribacher für das Geschäftsjahr 2001 als Abschlussprüfer bestellt. KPMG und Centurion wurden auch für 2002 als Abschlussprüfer gewählt. Die Vorstandsmitglieder Oswald Koller und Gerold Stagl, die - mit 1.4.2000 bestellt - die Kreditkatastrophe zu meistern hatten, erhielten von der Hauptversammlung die Entlastung für das Geschäftsjahr 2000, ebenso der mit 8.8.2000 gänzlich neu besetzte Aufsichtsrat.

Regressforderungen

Zu möglichen Regressforderungen gegen ehemalige Funktionäre der Bank Burgenland - Vorstand und Aufsichtsrat - stellte AR-Vorsitzender Herbst fest, dass sich die Bank dem Strafverfahren gegen den mittlerweile (nicht rechtskräftig) zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilten Ex-Generaldirektor Ernst Gassner als Privatbeteiligter angeschlossen hat. Sollte es bei den Ex-Vorständen Günter Widder und Manfred Schneider zu keinen Strafverfahren kommen, werde man versuchen, auf zivilrechtlichem Weg Forderungen geltend zu machen. Ein Gutachten über mögliche Schritte gegen die Bankprüfer - laut Herbst "sehr aufwendig" - soll vor dem Sommer fertiggestellt sein. Diese Causa könnte eines Tages sogar den Verfassungsgerichtshof beschäftigen, und zwar wegen der nicht unumstrittenen Haftungsbegrenzung von 5 Mill. S. Von den Wirtschaftsprüfern hat sich die Bank jedenfalls einen Verjährungsverzicht ausbedungen.

Suche nach Hom-Rusch-Geldern ohne Erfolg

Zum Hom-Rusch-Komplex stellte Vorstand Koller fest, dass sich auf der Basis der laufenden Verfahren die Einschätzung der Bank in der Frage der Wertberichtigungen "leider bestätigt". Es gebe aber keine weiteren Risiken darauf, auch keine Anfechtungsrisiken. Man arbeite zügig an der Verwertung der noch vorhandenen Sicherheiten, um den Schaden zu begrenzen. Die Suche nach Hom-Rusch-Geldern hat laut Koller "bislang keinen Erfolg gezeitigt". (APA)

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