Gewaltbereitschaft Jugendlicher meist ein vorübergehendes Phänomen

4. Mai 2001, 15:32
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Auslöser meist geringes Selbstwertgefühl oder aktuelles Problem

Linz - Die Jugendkriminalität ist in Österreich im vergangenen Jahrzehnt angestiegen, vor allem bei der Gruppe der 14- bis 15-Jährigen. In mehr als der Hälfte der Fälle handelt es sich um Vermögensdelikte, 15 Prozent aller Anzeigen gegen Jugendliche betreffen Körperverletzungen. Da es sich bei der Gewaltbereitschaft dieser Altersgruppe aber meist um ein vorübergehendes Phänomen handelt, gewinnen Diversionsmaßnahmen immer mehr Stellenwert.

Auslöser ist meist geringes Selbstwertgefühl

Wie Vertreter des Linzer Vereins für Bewährungshilfe und Soziale Arbeit am Freitag bei einer Pressekonferenz informierten, handelt es sich in den meisten Fällen von jugendlicher Gewaltbereitschaft um ein entwicklungsbedingtes Phänomen, das ab einem Alter von 14 Jahren steigt und nach dem Erwachsenwerden wieder rapide sinkt. Auslöser ist meist geringes Selbstwertgefühl oder ein aktuelles Problem, mit dem der Jugendliche gerade zu kämpfen hat. Der Großteil der jungen Gewalttäter ändert sein Verhalten im Alter zwischen 20 und 24 Jahren. Andere Ziele wie ein guter Job, eine Partnerschaft, eigenes Auto gewinnen an Bedeutung. Der Großteil der jugendlichen Gewalttäter führt später ein ganz normales "biederes" Leben.

Elternhaus ist Entwicklung nicht aktiv beteiligt

Manche Jugendliche schließen sich einer - oft rechtsextremen - Gruppe an, da sie in dieser das Gefühl haben, etwas darzustellen. Auch hier ist der Grund meist in mangelndem Selbstbewusstsein zu suchen, für die eigenen Unzulänglichkeiten werden Schuldige gesucht und - so meinen die Jugendlichen - in Ausländern gefunden. Das Elternhaus ist an einer derartigen Entwicklung meist nicht aktiv beteiligt. Auch bei dieser Gruppe ändert sich das Verhalten im Erwachsenenalter. Die Gewaltbereitschaft sinkt, allerdings behält ein Drittel die ausländerfeindliche Gesinnung, wenn auch meist in abgeminderter Form.

Brandmarkung ersparen

Da die Erfahrungen zeigen, dass Gewaltdelikte im Jugendalter meist nicht zwingend eine spätere Kriminellen-Karriere bedeuten, versucht man häufig mit Bewährungshilfe oder einem außergerichtlichen Tatausgleich (ATA), den Jugendlichen die Brandmarkung einer Verurteilung zu ersparen. Gleichzeitig werden Jugendliche mit ihrer Tat und mit dem Opfer konfrontiert, was sie in der Folge meist von ähnlichen Gewalttaten abhält. Trotz dieser Erfolge darf nicht übersehen werden, dass es sich bei zwei bis drei Prozent der jugendlichen Gewalttäter um mehrfach traumatisierte Jugendliche handelt, die selbst Erfahrungen mit Misshandlung oder sexuellem Missbrauch gemacht haben. Aufgabe der Bewährungshelfer ist es unter anderem, diese herauszufiltern und in - meist stationären - jugendpsychiatrischen Behandlung zu überweisen. (APA)

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