Helmut Strobl, der Kunsthaus-Macher

6. Mai 2001, 21:31
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Der Grazer Kulturstadtrat tritt vorzeitig in den Ruhestand

Graz - Am Freitagvormittag gab Helmut Strobl, der Grazer Kulturstadtrat, eine Pressekonferenz, bei der er sich noch optimistisch zeigte. Zumindest, was die geplante Fertigstellung des Kunsthauses bis zum 21. Juli 2003 anbelangt. Wenige Stunden später bat der 58-jährige VP-Politiker Bürgermeister Alfred Stingl um seine vorzeitige Pensionierung mit 7. Juni.

Seinen Entschluss begründet Strobl, der 17 Jahre lang Kulturstadtrat gewesen sein wird, mit seiner angegriffenen Gesundheit: Letzten Herbst hatte er mehrfach wegen lebensbedrohlicher Gefäßerweiterungen operiert werden müssen. "Ich wäre fast abgekratzt." Der Nachfolger soll am kommenden Montag von Finanzstadtrat Siegfried Nagl bekannt gegeben werden.

Strobl gedenkt alle Ämter niederzulegen und mit 30. Juni auch aus dem Magistratsdienst auszuscheiden. Einzig die Agenden im Zusammenhang mit dem von ihm mit Nachdruck betriebenen Projekt Kulturstadt will er weiterführen: Strobl bleibt somit im Aufsichtsrat der Graz-2003- Betriebsgesellschaft, Mitglied im Programmarbeitskreis von Intendant Wolfgang Lorenz und Aufsichtsratsvorsitzender der Kunsthaus AG.

Knapper Zeitplan

In dieser Funktion informierte er am Freitag über die Fortschritte bei der Entwurfsplanung für das "Bubble Blue" genannte Kunsthaus am rechten Murufer durch die britischen Architekten Peter Cook und Colin Fournier. Die Pläne, an denen seit letztem Juni gearbeitet wird, sollen nun am 28. Mai (für die Renovierung/ Adaption des Eisernen Hauses) beziehungsweise 10. Juli (für den angrenzenden Neubau) eingereicht werden.

Bereits am 10. September will man mit dem Aushub beginnen - in der großen Hoffnung, dass es bei den Genehmigungsverfahren zu keinen weiteren Verzögerungen kommt: "Wenn der Zeitplan jetzt nicht eingehalten wird, bricht alles zusammen", so ein Architekt der beauftragten Arbeitsgruppe. Wie bereits berichtet, soll das Kunsthaus am 23. September 2003 als Leitprojekt der Kulturhauptstadt mit der von Cathrin Pichler kuratierten Ausstellung Cosmologies eröffnet werden.

Die bläulich scheinende "Haut" des amorphen Gebildes wird nun definitiv, wie bereits berichtet, aus Acrylplatten bestehen, die man auf eine Stahlstruktur montiert. Dieser Kunststoff ist wesentlich leichter als Glas, allerdings bestehen in der Architektenschaft weiterhin Fragen über die UV-Beständigkeit, die noch zu klären sein werden. Zwanzig Prozent der Gesamtoberfläche würden lichtdurchlässig sein. Der Kostenrahmen (80 Millionen Schilling stehen für die Haut zur Verfügung) könnte eingehalten werden.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6. 5. 2001)

Von
Thomas Trenkler

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