Pflichtschullehrer-
Gewerkschaft hat neuen Vorsitzenden

6. Mai 2001, 15:18
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Walter Riegler (FCG) folgt Hermann Helm

Wien - Die mit Abstand größte Lehrer-Gruppe in Österreich hat einen neuen Gewerkschafts-Vorsitzenden. Der 50-jährige Wiener Walter Riegler (Fraktion Christlicher Gewerkschafter, FCG) wurde am Freitag beim Bundessektionstag der Lehrer an allgemeinbildenden Pflichtschulen (Volks-, Haupt- Sonder- und Polytechnische Schulen) in Mayrhofen (Tirol) mit rund 96 Prozent Zustimmung gewählt.

Er folgt in dieser Funktion seinem Fraktionskollegen Hermann Helm, der nicht mehr kandidierte. Zu Rieglers Stellvertretern wurden Herbert Modritzky (Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter, FSG) und Helmut Ertl (FCG) gekürt.

Walter Riegler kam erst über Umwege zum Lehrberuf

Mit Walter Riegler gelangt ein "Allrounder" mit Berufserfahrung in verschiedenen Sparten an die Spitze der mehr als 75.000 Pflichtschullehrer. Am 30. Jänner 1951 in Wien geboren, absolvierte er zunächst Volksschule und Gymnasium. Anschließend war er bei einer Versicherung sowie in einer Hausverwaltung tätig, wofür er zusätzlich eine HAK-Ausbildung absolvierte.

In den Lehrberuf stieg Riegler erst später ein: Nach zwei Jahren an einer Pädagogischen Akademie unterrichtete er - obwohl ausgebildeter Volksschullehrer - von 1975 bis 1980 an einer Hauptschule. Anschließend wechselte er in den Volksschulbereich - an eine "klassischen Ganztagsschule", wie Riegler im APA-Gespräch anfügt.

1992 wurde Riegler Mitglied der Bundessektionsleitung der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, wo er ab 1993 als Besoldungsreferent und ab 1994 zusätzlich als stellvertretender Vorsitzender fungierte. Aufgeben musste er dafür den Kontakt zu den Kindern - seit seiner Berufung in die Bundessektionsleitung ist er dienstfrei gestellt.

Sein Hobby teilt Riegler mit dem obersten Beamtengewerkschafter, GÖD-Chef Fritz Neugebauer: Auf dem Motorrad absolviert er regelmäßig Touren, ein Mal im Jahr ist auch Neugebauer mit von der Partie. Sonst ist Riegler öfter auf dem Tennisplatz zu finden, für sein früheres Steckenpferd Skifahren bleibt dem verheirateten Vater zweier erwachsener Kinder allerdings kaum mehr Zeit.

Besoldungsreform und Umsetzung des neuen Dienstrechts als Schwerpunkte

Die Schwerpunkte seiner Arbeit in den kommenden Jahren sieht Walter Riegler in der Etablierung einer Besoldungsreform für neu eintretende Lehrer sowie in der Umsetzung des ab dem kommenden Schuljahr geltenden neuen Dienstrechts. Er strebe dabei die Einführung eines "All-Inclusive-Gehalts" sowie die Beseitigung der "Kluft zwischen Anfangs- und Endgehalt" an, so der oberste Pflichtschullehrer-Gewerkschafter gegenüber der APA.

Konkret sollen die neu eintretenden Pflichtschullehrer höhere Anfangsgehälter bei einem Gleichbleiben der Lebensverdienstsumme erhalten. Gerade jene jungen Kollegen, die eine Familie gründen oder eine Wohnung einrichten wollten, würden so in den Genuss höherer Bezüge kommen. Statt rund 14.000 Schilling netto könnten die Neueinsteiger dann etwa 17.000 oder 18.000 Schilling verdienen, so Riegler. Einen weiteren Vorteil der Reform sieht er im Imagegewinn für Lehrer: Durch die weit gehende Beseitigung von Einkommensunterschieden zwischen Jung und Alt sowie den Wegfall von Zulagen könne in der Öffentlichkeit nicht mehr mit dem Anführen von Extrem-Gehältern Stimmung gemacht werden.

Das neue Dienstrecht will Riegler "in der Praxis begleiten". In der Theorie klinge es zwar "recht schlüssig", bei eventuell auftretenden Problemen müsse man aber möglichst rasch eine Änderung erarbeiten. Man werde die Lehrer "auf keinen Fall allein lassen". (APA)

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