Chipkarte: Ausbau zur Bürgerkarte technisch möglich

4. Mai 2001, 14:24
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Keine Gesundheitsdaten gespeichert

Wien - Die Chipkarte wird als "Schlüssel" konzipiert. Das bedeutet dass, keine Gesundheitsdaten darauf gespeichert sind. Darauf enthalten sind nur der Name, das Geburtsdatum, die Versicherungsnummer, die Kartennummer und eine etwaige Befreiung von der Rezeptgebühr. Ziel ist es, den Zugang zu Anwendungen oder Daten entweder für den Karteninhaber selbst oder für den Arzt zu ermöglichen. Der Arzt benötigt ebenfalls eine Chipkarte, um die Daten abrufen zu können. Die Ärzte bekommen dafür ein eigenes Lesegerät, sie müssen dafür nichts zahlen, es bleibt im Besitz des Hauptverbandes.

Von der Legistik und der Technik her ist es möglich, auch andere Daten auf der Karte zu speichern. Präsident Hans Sallmutter betonte, die Chipkarte wäre geeignet, in Etappen zum Träger auch für die von der Regierung geplante Bürgerkarte, die Zugang zur Verwaltung schaffen soll, zu werden. Mit ihm habe darüber aber in letzter Zeit niemand Kontakt aufgenommen, sagte Sallmutter.

Der stellvertretende Direktor und Projektleiter Adolf Mandl bestätigte, dass die Anwendung der Karte "nach oben hin de facto unbegrenzt" sei. Das müsse aber der Gesetzgeber definieren. Zunächst werde es um einen schrittweisen Ausbau der Angebote der Sozialversicherung gehen. So sollen auch Apotheken und Bandagisten eingebunden werden. Auch eine Anmeldung von Mitarbeitern durch den Dienstgeber bei der Sozialversicherung wäre in einem weiteren Ausbau möglich. Überweisungen und Zuweisungen werden in der ersten Phase nur teilweise durch die Chipkarte abgelöst, da sie auch medizinische Angeben beinhalten.

Ohne Bargeld zum Arzt

Patienten können künftig ohne Bargeldeinsatz spontan einen Arzt besuchen. Für den Fall, dass ein Patient seine Chipkarte vergessen hat, kann der Arzt online abfragen, ob er einen Versicherungsschutz hat. Voraussetzung ist, dass der Patient seine Identität glaubhaft machen kann und seine Versicherungsnummer weiß. Für schadhafte oder verloren gegangene Chipkarten wird der Hauptverband die Kosten tragen, außer es verliert sie jemand überdurchschnittlich oft. Für Verlustmeldungen oder Adress-Änderungen wird ein Call-Center eingerichtet.

Die Kosten werden auf fünf Jahre insgesamt 1,3 Mrd. S betragen. Die Investitionskosten belaufen sich auf rund 900 Mill. S und werden aus den Mitteln der Sozialversicherung aufgebracht. Von Seiten der Wirtschaft wurden bereits 300 Mill. S als einmalige Abgeltung für den Entfall der Krankenscheinausstellung geleistet. Volkswirtschaftlich solle sich das Projekt für die Systempartner innerhalb von zwei Jahren rechnen. Für die Sozialversicherung geht Sallmutter mit einem Amortisations-Zeitraum von fünf Jahren aus.

Für den Patienten könnte die Chipkarte auch eine Kostenersparnis bringen. "Wenn es keinen Krankenschein gibt, gibt es auch keine Krankenscheingebühr". Bis jetzt gebe es vom Gesetzgeber noch keine Initiative für eine andere Gebühr, sagte Sallmutter. (APA)

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