Eine Webseite als "work in progress"

4. Mai 2001, 14:34
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Alle 5.286 Werke und alle bisherigen Ergebnisse der Provenienzforschung aufgelistet

Wien - Alle 5.286 Kunstwerke der Leopold-Museum Privatstiftung sind ab sofort auf der neugestalteten Web-Site des Leopold Museums aufgelistet. "Wir sind noch transparanter, noch offensiver geworden", betonte Vorstandsmitglied Christian Meyer (Direktor des Arnold Schönberg Center), der am Freitag zusammen mit Vorstandsvorsitzenden Helmut Moser und Romana Schuler (museologische Direktion) den Internetauftritt des Museums vorstellte.

Zur Beschreibung aller Objekte zählt vor allem die Angabe zu den bisherigen Ergebnissen der Provenienzforschung. Wozu Romana Schuler betonte, dass die Herkunftsforschung in der Leopold-Stiftung schon seit 1995 betrieben wurde und bereits seit dem ersten Katalog der Leopold Museum-Privatstiftung (zur Ausstellung "Egon Schiele: Die Sammlung Leopold" in Tübingen/Düsseldorf/Hamburg) im Werkverzeichnis die Provenienzen der ausgestellten Werke veröffentlicht wurden.

"work in progress"

Dass das Museum den einmaligen Schritt getan hat, das gesamte Inventar ins Internet zu stellen, soll zunächst den womöglichen Verdacht ausräumen, es werde versucht, Werke, deren Besitzerkette nicht ganz geklärt ist, nicht zu nennen. Es soll aber auch Forschern den Zugang erleichtern, in Bereichen, die nicht so schnell mit der Leopold-Sammlung in Verbindung gebracht werden, wie alte Bachformen, Gmundner oder Siebenbürgener Keramik des 18. und 19. Jahrhunderts und genuine Kunst aus Ozeanien, Afrika, Australien, Türkei und Persien.

Die Web-Site wie die Provenienzdatenbank nannte Meyer "work in progress", wobei die Herkunftsforschung ein letztlich wohl nie wirklich abzuschließender Prozess sei. "Da es sich um eine ehemalige Privatsammlung handelt, die seit 1948 von Rudolf Leopold aufgebaut wurde, sind seine Unterlagen und sein Gedächtnis die Ausgangsbasis für die Forschung", heißt es dazu auf der Web-Site des Leopold Museums. Schuler deutete an, dass bei der Fülle der privat getätigten Erwerbungen (zwei bis drei im Wochendurchschnitt) das exakte Ankaufsjahr nicht in jedem Fall erinnert wurde, und Moser erinnerte daran, dass in Privathaushalten nicht jedes Papier aus den fünfziger Jahren wieder auffindbar ist. Wobei noch hinzukomme, dass die Zahl der Händler und Auktionshäuser, die bereitwillig Auskunft über die Einbringer der über sie verkauften Werke geben, außerordentlich beschränkt sei.

Stelle für Provenienzenforschung ausgeschrieben

Am Beispiel der "Häuser des Klosterneuburger Rathausplatzes" (Inventarnummer 4140) erläuterte Christian Meyer Schwierigkeiten der Forschung und die Hoffnungen, die mit der Veröffentlichung verbunden sind. Dieses Bild, zu dem nach Zeitungsberichten Erben nach dem Besitzer Leopold Popper Ansprüche erheben wollen, war 1955 im Dorotheum verkauft worden, nach Philadelphia gegangen, dann wieder 1973 im Dorotheum versteigert, 1978 bei Christie's London und zuletzt 1984 von Leopold Dorotheum gekauft worden.

Die Akten des Staatsarchivs führen zwei Leopold Popper an. Einen ohne Vermögenswerte aus Wien-Leopoldstadt und einen Baron Leopold Popper, der jedoch Waffensammler war und keine Kunstsammlung hatte. Es könnte noch einen weiteren Leopold Popper geben, der in den Akten des Staatsarchivs nicht aufgeführt wurde, und auf den man auch in den alten Telefonbüchern nicht gestoßen sei, meinte Meyer. "Der Vorstand der Leopoldstiftung ist für jegliche ergänzende Hinweise dankbar", betonte Meyer. Die Forschungsarbeit wird künftig noch intensiviert, es wurde eine Stelle ausgeschrieben für eine/n Mitarbeiter/in, der oder die sich speziell mit der Provenienzenforschung befassen soll.

Wenig Geld, hohe Eintrittspreise

Der "Count down" für die Eröffnung ist voll im Laufen. Ab 22. September läuft der normale Museumsbetrieb Mittwoch bis Montag von 11 bis 19 Uhr, Freitag bis 21 Uhr. Schließtag ist Dienstag. Für Reisegruppen ist der Eintritt bereits ab 10 Uhr vorgesehen. Das sich bereits jetzt abzeichnende Interesse von Busreisenveranstaltern lässt Meyer aber schon jetzt mit Sorge daran denken, dass es rund um das Museumsquartier und demnächst auch rund um das Kunsthistorische und Naturhistorische Museum keine ausreichenden Bushaltemöglichkeiten gibt. Es könnte am Anfang womöglich zu Verkehrsbehinderungen auf der Zweier Linie kommen.

Der Eintrittspreis ist mit neun Euro (oder 125 Schilling bis zum Jahresende) hoch bemessen. ("Weil wir skandalös wenig Geld zur Verfügung haben", so Meyer). Dafür wurde die Gruppe derer, die auf reduzierte Tickets (80 Schilling) haben sehr breit gehalten, etwa mit Studenten bis zum 27 Lebensjahr. (APA)

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