Die FDP wird keinen eigenen Kanzlerkandidaten stellen

5. Mai 2001, 18:21
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Westerwelle setzte sich damit klar gegen Möllemann durch

Düsseldorf - Die FDP lehnt die Aufstellung eines eigenen Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2002 ab. Der FDP-Parteitag stimmte am Samstag in Düsseldorf mit der großen Mehrheit von rund 72 Prozent für einen Antrag des neuen Parteivorsitzenden Guido Westerwelle, auf einen eigenen Kanzlerkandidaten zu verzichten. Westerwelle setzte sich damit gegen den nordrhein-westfälischen FDP-Chef Jürgen Möllemann durch, der sich vehement für diese Idee stark gemacht hatte.

Insgesamt stimmten 469 Delegierte gegen einen Kanzlerkandidaten und 173 dafür. Acht Delegierte enthielten sich. Dem Beschluss zufolge werben die deutschen Freidemokraten bei der nächsten Bundestagswahl "nicht für einen anderen Kanzlerkandidaten, sondern für unseren eigenen Spitzenkandidaten und für unser eigenes Spitzenteam". Diese Formulierung ersetzt in dem entsprechenden Beschlusspapier die Forderung nach Aufstellung eines eigenen FDP-Kanzlerkandidaten.

"Strategie 18 Prozent" gebilligt

Mit breiter Mehrheit wurde beim FDP-Parteitag die von Jürgen Möllemann vorgeschlagene "Strategie 18 Prozent" gebilligt. Das Projekt, das für die FDP als Wahlziel für die deutsche Bundestagswahl 2002 einen Stimmenanteil von 18 Prozent festschreibt, wurde auch vom neuen FDP-Chef Guido Westerwelle unterstützt. Demnach wird die FDP auch ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf ziehen.

Zuvor hatten sich Westerwelle und Möllemann ein Rededuell geliefert. In einer leidenschaftlichen Rede warb Möllemann für seine umstrittene Forderung nach einem eigenen FDP-Kanzlerkandidaten. Dagegen warnte Westerwelle die Delegierten, die FDP könne damit an Glaubwürdigkeit verlieren. Wenn man 18 Prozent anstrebe, "dann weiß man auch, dass man mit 18 Prozent nicht den Kanzler stellen wird", sagte Westerwelle. Der neue FDP-Chef setzte sich schließlich bei der Abstimmung klar durch.

Westerwelle machte auf dem Parteitag zugleich seinen Führungsanspruch deutlich und kündigte an, er wolle die FDP in die Bundestagswahl führen. "Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen, der die Sache regelt, das bin ich", sagte der Parteichef. (APA/dpa/AP)

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