Deutsche Mediziner: Keine Probleme für Tito

4. Mai 2001, 14:13
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Nur Fussbälle dürfte er länger nicht gut treffen

Köln - Musabajew, sein Pilot Juri Baturin und Tito sollen am Sonntag mit einer Sojus-Kapsel zur Erde zurückkehren. Bereits knapp eine Woche nach seiner Rückkehr auf die Erde wird Tito nach Ansicht von Raumfahrt-Experten wieder weitgehend körperlich fit sein. "Die größten gesundheitlichen Probleme sind, wenn überhaupt, während und kurz nach der Landung zu erwarten", sagte der Leitende Mediziner des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Professor Rupert Gerzer, in Köln.

"Da die Besatzung bei der Fallschirmbremsung mehr als das Zehnfache der Schwerkraft verkraften muss, könnte es durch den enormen Ruck in extremen Fällen zu Wirbelanbrüchen kommen", sagte Gerzer. Wesentlich häufiger komme es jedoch zu Kreislaufstörungen. Selbst nach sechs Tagen im All sei der Körper schon auf Schwerelosigkeit umgestellt. Daher bestehe bei der Rückkehr auf die Erde Kollapsgefahr: "Nach einem kurzen medizinischen Check dürfen die Astronauten deshalb nur langsam aufstehen und spazieren gehen, um den Kreislauf nach und nach in Gang zu bringen".

Von Euphorie wird die Besatzung bei der geplanten Landung der Sojus-Kapsel an diesem Sonntag nach Gerzers Einschätzung weit entfernt sein. "Dafür ist der Landevorgang zu anstrengend und den Astronauten wegen der heftigen Schwankungen an Bord in vielen Fällen zu übel." Zudem verursachten erste Empfänge sowie der baldige Rückflug ins russische Weltraum-Ausbildungszentrum bei Moskau zusätzlichen Stress.

Erst im Laufe eines knapp einwöchigen Trainings im "Prophylaktorium" nahe der russischen Hauptstadt könnten sich Tito und seine Kollegen wirklich entspannen. "Hier werden sie fast wie kleine Kinder umsorgt", sagte Gerzer.

Schwerpunkte des Trainings seien leichte Fitness-Übungen sowie die Verbesserung der Koordinationsfähigkeit. Da man sich auf Grund der Schwerelosigkeit im All nur sehr langsam bewege, müssen laut Gerzer gerade schnelle Bewegungen zum Teil völlig neu gelernt werden. "Astronauten haben berichtet, dass es bis zu einem Monat gedauert habe, bis sie zum Beispiel wieder kontrolliert einen Fußball treffen konnten." (APA/dpa)

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