Höheres Risiko für Frauen

4. Mai 2001, 13:22
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Sie erkranken eher an Blasenkrebs als Raucher

Washington - ZigarettenraucherInnen haben ein durchschnittlich zweieinhalb Mal höheres Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken. Je höher der Zigarettenkonsum und je länger die RaucherInnenkarriere ist, desto größer ist die Erkrankungsgefahr, wie eine amerikanische Untersuchung ergab.

Üblicherweise entwickelt sich Blasenkrebs weit häufiger bei Männern als bei Frauen. Mit Verwunderung haben ForscherInnen des Norris-Krebszentrums der Universität von Südkalifornien jedoch zur Kenntnis genommen, dass Raucherinnen offenbar ein höheres Erkrankungsrisiko zu haben scheinen als Raucher.

Das ForscherInnenteam berichtete in der Zeitschrift des Nationalen Krebsinstituts über das merkwürdige Phänomen. Es stieß darauf, als es Blasenkrebs-Raten von RaucherInnen in aller Welt verglich.

Höhere Erkrankungsrate

Im Raum Los Angeles wurden die Daten von 1.514 Blasenkrebspatienten mit denen von 1.514 vergleichbaren, aber krebsfreien Personen verglichen. Die Untersuchungspersonen wurden je nach Zigarettenkonsum in unterschiedliche Gruppen eingestuft. Es zeigte sich, dass die Erkrankungsrate bei Frauen in allen Gruppen etwas höher war als jene der Männer, wie der Leiter der Forschungsgruppe, Ronald Ross, berichtete. In der Gruppe schwerer RaucherInnen mit einem Konsum von 40 Zigaretten pro Tag über einen Zeitraum von 40 Jahren waren zwei Mal so viele Frauen an Blasenkrebs erkrankt wie Männer.

Bei der Analyse des Bluts von 1.300 ProbandInnen zeigte sich, dass die Raucherinnen mehr Arylamine im Körper hatten als männliche Raucher. Arylamine sind Stoffwechselprodukte, die aus im Tabak enthaltenen Substanzen entstehen. Man mutmaßt, dass sie das Entstehen von Blasenkrebs bei RaucherInnen fördern. Ross erklärte, es lasse sich vermuten, dass die Aktivierung oder aber Entgiftung dieser Stoffe im weiblichen Körper auf andere Weise erfolge als im männlichen. Ross erklärte: "Ich bin der Erste, der zugibt, dass dies den gängigen Vorstellungen widerspricht."

Zweifel ließen denn auch nicht auf sich warten. Der Epidemiologe Michael Thun von der Amerikanischen Krebsgesellschaft warnte vor einer Verallgemeinerung der Erkenntnisse, denn schließlich befalle Blasenkrebs im allgemeinen vier Mal mehr Männer als Frauen. Die Ergebnisse der Untersuchung könnten dazu führen, das Erkrankungsrisiko der Frauen überzubewerten. Ross dagegen verwies auf andere Studien, wonach Raucherinnen auch ein höheres Lungenkrebsrisiko zu haben scheinen als Raucher. Daher seien auch Geschlechterunterschiede in Bezug auf Blasenkrebs nicht unwahrscheinlich. (APA/AP)

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