Turiner Grabtuch: Eine Sensation wird versprochen

4. Mai 2001, 13:16
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Erstmals wurden Fotos der Rückseite gemacht

Turin - Ausgewählte italienische Wissenschafter durften erstmals die Rückseite des legendenumwobenen Turiner Grabtuches fotografieren. Zeitungen in Rom berichteten am Freitag, die dabei entstandenen Bilder sollen eine Sensation sein, werden freilich erst im Herbst in zwei Publikationen erstmals zugänglich gemacht.

In das Leinentuch im Turiner Dom soll nach Auffassung vieler der historische Jesus Christus nach der Kreuzigung vor rund 2.000 Jahren gehüllt worden sein. Andere wiederum argumentieren, die kostbarste und zugleich umstrittenste Reliquie des Christentums sei in der ersten Hochblüte der Reliquienverehrung, dem späten Mittelalter, angefertigt worden, um als Objekt der Anbetung zur Verfügung zu stehen.

Brandmarkungstheorie ausgeschlossen

Die von der Kirche zugelassenen Fachleute berichten, auf der Rückseite seien zwar Blutflecken, jedoch keinerlei Abdruck einer menschlichen Gestalt gefunden worden, was belege, dass das aufbewahrte Tuch keine Fälschung sei. Sie beziehen sich damit auf eine Theorie, das Abbild des Mannes mit Verletzungen an Kopf, Händen und Füßen sowie einer Stichwunde in Herznähe könnte von einem Hochrelief stammen und wäre durch Erwärmung entstanden.

Weil in diesem Fall Spuren des Abdrucks auch auf der Rückseite zu sehen sein müssten, argumentieren die Gelehrten nun: "Das ist von enormer wissenschaftlicher Bedeutung und ein neuer Ausgangspunkt."

Für die Aufnahmen mit speziellen Linsen sei ein abgeflachter Scanner zwischen der Hinterseite und einer Schutzhülle eingeführt worden. Der schützende Überzug sei vor fast 500 Jahren nach einem Brand von Nonnen angebracht worden. Seither soll niemand mehr die Rückseite gesehen haben. (APA/dpa/hcl)

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