Kleiner Tipp unter Kulturhauptstädten

4. Mai 2001, 12:51
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Weimar an Graz: "Nicht bange machen lassen!"

Weimar/Graz - Knapp zwei Jahre ist es her, dass die Goethe-Stadt Weimar europäische Kulturhauptstadt war, Graz tritt 2003 in die Fußstapfen der thüringischen Kleinstadt mit der großen kulturellen Vergangenheit. In der steirischen Landeshauptstadt gibt es derzeit erhebliche Befürchtungen, dass vieles nicht so laufen könnte wie erhofft, oder - wie im Fall des Kunsthauses - man nicht rechtzeitig fertig wird. Die Weimar-Organisatoren von anno 1999 beruhigen: Schwierigkeiten seien nichts Außergewöhnliches. Der Rat des Thüringischen CDU-Ministerpräsidenten Bernhard Vogel lautet demgemäß: "Nicht bange machen lassen und die Chance mit beiden Armen ergreifen".

Eine steirische Delegation mit VP-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic machte sich in den vergangenen Tagen ein Bild vor Ort, um Schwierigkeiten und Chancen für ein europäisches Kulturstadt-Projekt in einem Land auszuloten, das viele Parallelen zur Steiermark aufweist. "Es war ein kühnes Unternehmen. Die Stadt allein hätte es nie geschafft", gibt der Weimarer Oberbürgermeister Volkhardt Germer unumwunden zu. Das Land habe den Hauptanteil der Kosten getragen. Allein in die Infrastruktur wurden aus privater und öffentlicher Hand fast neun Milliarden Schilling investiert. Die Skepsis in der Bevölkerung sei anfangs groß gewesen, so das Weimarer Stadtoberhaupt, allerdings sei die Identifikation dann doch "enorm gestiegen". Das Resultat, wirtschaftlich bemessen, konnte sich durchaus sehen lassen: Sieben Millionen Nächtigungen hat die 62.000-Einwohner-Stadt Weimar erlebt, im Vorjahr waren es immer noch mehr als vier Millionen, was ein dauerhaftes Plus von 30 Prozent bedeutet.

Nachher normal

Was den derzeitigen Zustand betrifft, meint man in Weimar, "wir wussten, dass der Normalzustand nachher kommen wird". Der Tipp, den der Bürgermeister den Grazern gibt, lautet ausdrücklich: "Schafft Maßnahmen, die Bestand haben, und investiert nicht in nutzlose Dinge". Der thüringische Ministerpräsident Vogel sieht das in Graz ebenfalls derzeit heftig diskutierte Kulturstadt-Projekt realistisch-positiv: Die Chance, "dass Europa ein ganzes Jahr lang auf einen schaut", hätte unschätzbare direkte und Umweg-Effekte. Kulturstadt sein heißt für den thüringischen Landeschef "eine große, nicht ganz einfache, aber sehr schöne Aufgabe".

Die steirische Landeshauptfrau Klasnic rechnet eigenen Angaben zufolge, dass "Graz - Kulturstadt 2003" insgesamt 1,5 Milliarden Schilling kosten wird, wobei sie ausdrücklich darauf verweist, dass es eine Drittel-Finanzierung zwischen Bund, Land und Stadt geben wird. Die Mahnung, auf Nachhaltigkeit und Nachnutzung bei den einzelnen Projekten besonders zu achten, betrifft vor allem die beiden bisher geplanten Renommier-Projekte für Graz, das Kunsthaus und die spektakulär geplante Kultur-Insel mitten in der Mur des New Yorker Künstlers Vito Acconci.

Kunsthaus ist laut Terminplan Mitte Juli 2003 fertig

Der Entwurf und der Terminplan für das Grazer Kunsthaus - Leitprojekt im Rahmen der "Europäischen Kulturstadt 2003" - nehmen Gestalt an: Laut dem am Freitag von der Kunsthaus Graz AG vorgelegten Zeitplan ist die Fertigstellung für den 21. Juli 2003 vorgesehen. Nach einem zweimonatigen Probelauf wird dann am 23. September mit der Eröffnung der Ausstellung "Cosmologie" auch offiziell der Betrieb aufgenommen.

Die "blaue Blase" am rechten Murufer befindet sich nach den Worten der Architekten Peter Cook und Colin Fournier im Endstadium der Entwurfsplanung: Insbesondere die aus Acrylplatten bestehende teiltransparente Außenhaut mit darunter liegender Stahlstruktur sei mit drei Anbietern auf ihre Machbarkeit hin überprüft worden, jetzt gehe es noch um die Kosten. Im Rahmen des Gesamtbudgets von 600 Mill. S sind rund 80 Mill. S für die Dach/Haut reserviert.

Plangetreu

Von der ursprünglichen Konzeption habe man nur geringfügige Abstriche gemacht, wobei im Erdgeschoss funktionale Erfordernisse eingearbeitet wurden, so das Architekten-Duo. Ihnen geht es nicht nur um die "lustige Form", sondern um Aspekte des Theaters an einem gut einsehbaren Platz, die in dieser "relativ einfachen, aber radikalen" Lösung zum Tragen kommen.

Einen Bericht legte auch Bauforscher Markus Zechner vor, der die erhaltenswerten Teile des "Eisernen Hauses" unter die Lupe genommen hat. U.a. war im Zuge der Arbeiten eine seit den fünfziger Jahren verblendete Gusseisenplastik der Polyhymnia aus der Zeit um 1850 freigelegt worden. Auch die Mosaike von Rudolf Pointner aus den 1950er Jahren werden gesichert und in die aus eben dieser Zeit stammenden Thalia übertragen. (APA)

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