Berlusconi überlegt TV-Verkauf

6. Mai 2001, 09:00
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Experten sollen über Unvereinbarkeiten beraten - Treuhandlösung für Firmenimperium bei Wahlsieg wahrscheinlich

Rom - Der italienische Medienunternehmer Silvio Berlusconi lässt sich im Hinblick auf einen Konflikt zwischen seiner unternehmerischen und politischen Macht nach etwaigen Sieg bei den italienischen Parlamentswahlen am nächsten Sonntag beraten. Der Kandidat des Wahlbündnisses "Haus der Freiheit" sagte in einem am Sonntag in London veröffentlichten Interview, er habe drei internationale Experten eingesetzt, innerhalb der ersten 100 Tage einer Regierung Berlusconi werde er einen entsprechenden Vorschlag präsentieren. Dem Vorabbericht der "Sunday Times" weiter zufolge nannte er als "wahrscheinliche Lösung" für seine Medienanteile ein Treuhandverhältnis.

Bei den Experten handle es sich um einen Amerikaner, einen Briten und einen Deutschen, deren Namen er nicht nennen wolle, sagte Berlusconi dem Vorabbericht zufolge. Kritiker warnen, dass Berlusconi nach einem Wahlsieg als Regierungschef die Ausrichtung der staatlichen Sender und als Unternehmer auch die der größten TV-Privatsender bestimmen könne. Berlusconi hält dem entgegen, dass der italienische Regierungschef lediglich "primus inter pares" sei und wesentlich weniger Machtbefugnisse habe als etwa der britische.

Berlusconi zeigte sich zuversichtlich, dass das Mitte-Rechts-Bündnis "Haus der Freiheit" in beiden Kammern des Parlaments eine Mehrheit erhalten wird. Dem Bündnis gehören außer Berlusconis konservativer Forza Italia auch die fremdenfeindlich argumentierende Liga Nord von Umberto Bossi, die rechtsextreme Fiamma Tricolore und die Nationale Allianz von Gianfranco Fini an. Umfragen sehen Berlusconis Block derzeit um vier Prozent vor dem regierenden Mitte-Links-Bündnis. (APA/Reuters)

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