Berlusconi erwägt Ausstieg aus TV-Business

4. Mai 2001, 16:38
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... und trifft Rupert Murdoch in Rom

Der italienische Oppositionschef und Medienzar Silvio Berlusconi will zwei Tage vor den Parlamentswahlen am 13. Mai bekanntgeben, ob er sich von seinem Fernsehimperium trennen wird. Das erklärte Berlusconi im Interview mit der Tagesschau Tg5 Donnerstag Abend. "Ich setze mich mit der Möglichkeit eines Verkaufs meiner Mediengesellschaft Mediaset auseinander. Es gibt verschiedene Lösungen. Sobald ich einen Beschluss gefasst habe, werde ich ihn auch bekannt geben. Die Entscheidung über einen Verkauf hängt aber mehr von meinen Kindern als von mir ab", betonte Berlusconi.

Zwei Tage vor der Wahl will Berlusconi die Entscheidung bekanntgeben

ie 34-jährige Tochter Marina Berlusconi ist Vizepräsidentin der Medienholding Fininvest, ihr 32-jähriger Bruder Piersilvio ist Präsident der TV-Produktionsgesellschaft RTI. "Sollte ich vor die Wahl zwischen der Regierung meines Landes und dem Verzicht auf mein Unternehmen gestellt werden, bin ich bereit, meine Gesellschaften zu verkaufen", hatte der Spitzenkandidat des Mitte-Rechts-Bündnisses vor einigen Tagen betont.

Der Medientycoon zeigte sich siegessicher. "Wir werden bestimmt die Wahlen gewinnen und die Mehrheit in beiden Parlamentskammern haben", sagte Berlusconi im Interview mit dem Radiosender Radio "Anch'io" am Freitag. Er kritisierte neuerlich die europäische Presse, die ihn in den letzten Tagen wiederholt angegriffen hatte. "Ich werde mich nicht mit den Falschmeldungen der ausländischen Presse auseinandersetzen", sagte Berlusconi.

"Italien ist keine Bananenrepublik"

Zugleich stimmte er den Aussagen des Ehrenpräsidenten der Autogruppe Fiat, Giovanni Agnelli, zu, wonach Italien "keine Bananenrepublik" sei, in der die Wählerschaft mit Attacken gegen einen Kandidaten beeinflusst werden könnten.

Der Fiat-Chef, der auch Senator auf Lebenszeit ist, zeigte sich über die europäische Presse entrüstet. "Einige Medien haben Urteile über einen potentiellen Regierungschef gefällt und sich an die Italiener gewandt, als wären sie die Wählerschaft einer Bananenrepublik", so Agnelli. Seine Worte lösten in Italien heftige Debatten aus.

Berlusconi trifft Murdoch

Der australische Medienmagnat Rupert Murdoch ist Freitag Nachmittag in Rom eingetroffen, wo er den italienischen Oppositionschef und TV-Unternehmer Silvio Berlusconi zum Abendessen treffen sollte. Dies berichtete das italienische Fernsehen in Berufung auf Kreise um den Oppositionschef. Murdoch wird auch den Präsidenten der Telecom Italia, Roberto Colaninno, treffen, mit dem er über die Fusion zwischen den beiden Pay TV-Kanälen Stream und Telepiu' diskutieren will. Die Murdoch eigene TV-Gesellschaft Newscorp besitzt einen 50-prozentigen Anteil an Stream, die die von Telecom kontrollierte Telepiu' schlucken will.

Murdoch dementiert Interesse an Mediaset

Im Gespräch mit Journalisten bestritt Murdoch kurz nach seiner Ankunft in Rom Interesse am Erwerb der Berlusconi eigenen Mediengesellschaft Mediaset. Murdoch bezeichnete die Gerüchte, denen zufolge Berluconi ihm seine TV-Gruppe verkaufen wolle, um das Problem der Konflikte zwischen seinen politischen und wirtschaftlichen Interessen zu lösen, als unbegründete "Spekulationen". "Ich werde Berlusconi nicht aus geschäftlichen Gründen treffen", erklärte Murdoch.

Der australische Großunternehmer versuchte bisher vergebens, massiv auf dem italienischen TV-Markt Fuß zu fassen. Vor zwei Jahren hatte er Interesse für Mediaset gezeigt seine Pläne waren jedoch gescheitert. Der Besuch des australischen TV-Zaren in Rom hatte wilde Spekulationen über einen bevorstehenden Verkauf der Mediaset ausgelöst, die drei private TV-Kanäle kontrolliert. (APA)

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