Schweizer Kuoni-Konzern befürchtet feindliche Übernahme

4. Mai 2001, 15:31
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Spekulationen um Übernahme durch TUI

Zürich - Beim größten Schweizer Reisekonzern Kuoni ist in der Geschäftsführung ein offener Machtkampf ausgebrochen, der am Freitag den Aktienkurs unter Druck gesetzt hat. Im Zentrum steht der Präsident des Verwaltungsrates (Vorstandschef) Daniel Affolter, der von fünf anderen Verwaltungsräten und der Konzernleitung zum Rücktritt aufgefordert wurde. Als Gründe wurden angebliche Bezüge in Millionenhöhe genannt, die sich weder aus ethischer noch aus rechtlicher oder leistungsbezogener Sicht rechtfertigen ließen.

Affolter und der ehemalige Firmenchef Alfred Kuoni weisen die Vorwürfe zurück. Dabei argumentieren sie auch mit dem Hinweis, sie hätten Anzeichen, dass der deutsche TUI-Reisekonzern zusammen mit den fünf Verwaltungsräten eine feindliche Übernahme von Kuoni plane. Ein Sprecher von TUI-Schweiz dementierte dies aber. Auch Schweizer Analysten halten einen Übernahmeversuch für wenig wahrscheinlich.

Stiftungrat soll entfernt werden

Kuoni-Chef Hans Lerch und die fünf Verwaltungsräte fordern zudem die Amtsenthebung des Stiftungsrates der Kuoni Hugentobler Stiftung. Die Stiftung ist Großaktionär des Konzerns. Sie werfen Affolter öffentlich vor, rechtswidrig Millionensummen von der Kuoni und Hugentobler-Stiftung bezogen zu haben. Die 1957 von Alfred Kuoni ins Leben gerufene Stiftung kontrolliert 6,25 Prozent des Kapitals und 25 Prozent der Stimmen des Kuoni-Konzerns.

Nach Auffassung der fünf Verwaltungsräte hat Affolter die Stiftung veranlasst, im Jahr 2000 rund 12 Millionen Franken (7,78 Mill. Euro/107,0 Mill. S) an Stiftungsratsmitglieder auszuzahlen. Affolter selber seien danach 8,1 Millionen Franken zugesprochen worden. Zur Finanzierung dieser Auszahlungen habe die Stiftung Kredite aufgenommen.

Unmoralisches Verhalten Auf Grund dieses "unmoralischen und nach Ansicht von Verwaltungsratsmehrheit und Konzernleitung unrechtmäßigen Verhaltens von Affolter und der übrigen Stiftungsratsmitglieder" sei der Stiftung großer Schaden entstanden, heißt es in einer Mitteilung. Deshalb habe die Verwaltungsratsmehrheit den mit jährlichen Bezügen von rund 2 Millionen Franken dotierten Arbeitsvertrag mit Affolter fristlos gekündigt. Zugleich sei eine Aufsichtsbeschwerde gegen Kuoni-Präsident Affolter und den Stiftungsrat der Kuoni Hugentobler- Stiftung eingereicht worden. Ferner soll Strafanzeige wegen ungetreuer Geschäftsführung eingereicht werden.

Affolter und Kuoni erklärten, der Angriff sei wenige Tage vor der ordentlichen Kuoni-Hauptversammlung am 15. Mai nur ein Vorwand zur Destabilisierung der größten Aktionärin und letztlich zur Machtergreifung im Konzern. (APA/dpa)

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