Der Teppich als Spielwiese ... und Giftquelle

3. Mai 2001, 21:34
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Innenräume sind oft viel stärker mit Giften belastet als die Außenwelt

London - Wer Kleinkinder aus Umweltsorgen lieber im Haus spielen lässt als draußen, tut ihnen laut New Scientist nicht unbedingt Gutes: Innenräume sind oft viel stärker mit Giften belastet als die Außenwelt - Studien Ende der 80er-Jahre zeigten eine bis zu 50fache Belastung -, und Kleinkinder nehmen relativ viel mehr auf als Erwachsene.

Das liegt nicht nur daran, das ein Zweijähriger 76-mal in der Stunde irgendetwas in den Mund steckt - vom eigenen Finger bis zum Spielzeug -, es hat seinen Grund auch in der höheren Stoffwechselrate. Pro Kilo Körpergewicht inhalieren Kleinkinder 23-mal so viel wie ihre Eltern. Und was sie inhalieren, ist ein Gemisch aus allen erdenklichen Giften, von Schwermetallen über Pestizide bis hin zu polyzyklischen Kohlenwasserstoffen wie krebserregendem Benzo(a)pyren, von dem Zweijährige in US-Haushalten 110 Nanogramm pro Tag inhalieren.

Das ist so viel, wie beim Rauchen von drei Zigaretten in die Lunge geht. Aber nicht nur dieser Rauch ist eine Quelle der Indoor-Pollution, auch die vielfältigen Haushaltsreiniger und Lufterfrischer und Insektengifte und - falls vorhanden - aus dem Garten eingeschleppte Pestizide setzen sich fest, vor allem in Teppichen. Dort können sie sich über Jahrzehnte halten, weshalb sich in den Tiefen von Teppichen in den USA noch DDT fand, das seit langem verboten ist.

Und wenn sie ausgedünstet werden, setzen sie sich gerne auf Plastikspielzeug, so gerne, dass Forscher es zur Probenahme verwenden, wenn sie Ursachen der steigenden Asthma-, Allergie- und Tumorraten suchen. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe 4. 5. 2001)

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