Italien im Wahlfieber: Rauch-Kallat setzt auf Berlusconi

3. Mai 2001, 20:31
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Für die ÖVP-Generalsekretärin ist "auch Fini international akzeptiert"

ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat hat in einem Interview mit dem Corriere della sera erklärt, sie wünsche sich, "dass Silvio Berlusconi die Wahl am 13. Mai gewinnt". Sie hoffe, dass Brüssel bei einem Sieg des Rechtsbündnisses nicht denselben Fehler wiederhole wie nach der Regierungsbildung in Österreich. "Aber auch der Parteichef von Alleanza Nazionale, Gianfranco Fini, stellt für die internationale Gemeinschaft kein Problem dar. Für das Programm der Lega Nord haben wir keine Sympathie", erklärte die ÖVP-Generalsekretärin.

Auf Berlusconis Medienimperium angesprochen, erklärte sie: "Ich glaube, dass jeder das Recht auf politische Tätigkeit hat. Besitzer wichtiger Medien zu sein ist kein Hindernis für ein öffentliches Engagement."

Die Deutlichkeit der Aussage Rauch-Kallats hat deshalb überrascht, weil zwei mit der ÖVP befreundete Parteien - der Partito Popolare und die Südtiroler Volkspartei - die Mitte-links-Regierung unterstützen. SVP-Obmann Siegfried Brugger wertete die Aussagen als "persönliche Stellungnahme".

Unterdessen hat der Chefredakteur des Economist, Bill Emmot, im Corriere Stellung bezogen. In dem britischen Magazin war der Medienunternehmer als "ungeeignet für das Amt des Ministerpräsidenten" befunden worden. Es sei nicht tragbar, dass ein Mann, "der von so vielen Zweifeln umgeben sei und der auf so viele Fragen die Antwort verweigere", ein EU-Land regiere. Es bestehe die Gefahr, dass Berlusconi seine Macht zur Verteidigung seiner Interessen missbrauche.

Die ehemalige EU-Kommissarin Emma Bonino will ihren Hungerstreik gegen die Diskriminierung ihrer Partei fortsetzen. Bonino, seit Dienstag im Spital, nahm auf dringendes Anraten der Ärzte erstmals seit sechs Tagen Flüssigkeit zu sich. Die Bürgerrechtlerin kritisiert, dass der Wahlkampf zu einer "politischen Rauferei entartet" sei. Wichtige Themen des Partito Radicale wie Biotechologie, Euthanasie, Abtreibung, Drogen würden von den Medien ignoriert. Als Jeanne d'Arc der italienischen Politik genießt Bonino über die Parteigrenzen hinweg Ansehen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 4.5.2001)

Von STANDARD-Mitarbeiter Gerhard Mumelter aus Rom
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