Afghanische Frauen bitten im EU-Parlament um "konkrete Hilfe"

3. Mai 2001, 18:11
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Waffenembargo gegen das Taliban-Regime gefordert

Betroffene berichten vom Terror des Taliban-Regimes Brüssel - Mit einem eindringlichen Appell um "konkrete Hilfe" für die vom Taliban-Regime unterdrückten Frauen in Afghanistan haben sich am Donnerstag drei Betroffene an die Öffentlichkeit gewandt. Die Frauen, die mit Hilfe der französischen Frauenzeitschrift "Elle" heimlich aus ihrem Land ausreisen konnten, berichteten vor Journalisten im Europaparlament in Brüssel vom täglichen Leiden in ihrem Land. An der Konferenz nahm auch die Präsidentin des Europaparlaments, Nicole Fontaine, teil. Sie hatte die Aktion von "Elle" unterstützt und die Frauen nach Brüssel eingeladen.

Seit der Machtübernahme durch die radikalislamische Taliban-Miliz vor fünf Jahren werde die Bevölkerung regelrecht terrorisiert, sagte die Sprecherin der drei Frauen, die aus Sicherheitsgründen von Kopf bis Fuss verschleiert waren. Besonders hoffnungslos sei die Lage der weiblichen Bevölkerung. Die Sprecherin berichtete von Frauen, die von Milizen öffentlich bewusstlos geprügelt wurden, weil sie ihren Kindern heimlich Unterricht gaben.

"Maximaler Druck"

Fontaine rief die internationale Gemeinschaft auf, ein Waffenembargo gegen das Taliban-Regime zu verhängen und "maximalen Druck" auf dessen Verbündete auszuüben, vor allem auf Saudiarabien und Pakistan. Ohne deren Hilfe würde sich die Situation in Afghanistan umkehren, die Bevölkerung könne wieder Hoffnung schöpfen, sagte die französische Liberale. Auch die EU und das Europaparlament sollten über konkrete Maßnahmen nachdenken. Sinnvoll wären beispielsweise die Schaffung eines "europäischen Solidaritätsnetzes" und wirksame Hilfen für die afghanischen Frauen, die trotz des Verbots heimlich Unterrichtsstunden organisierten.

"Elle" hatte in der vergangenen Woche mit einer Sondernummer auf die "Diktatur gegen die Frauen" in Afghanistan aufmerksam gemacht. Auf dem Titelbild war eine der drei heimlich ausgereisten Frauen verschleiert abgebildet. (APA/AP)

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