Sozialrechtler Tomandl: "Frühpension lohnt sich einfach zu sehr"

4. Mai 2001, 14:52
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Rezept zur Beseitigung des Pensionsdilemmas: Die Erhöhung der Abschläge

Wien - Österreich - Land der Frühpensionisten. Die Erwerbsquote älterer Menschen ist im EU-Vergleich die zweitniedrigste: Im EU- Schnitt arbeiten von den 60- bis 64-Jährigen 22,3 Prozent, in Österreich hingegen nur 11,7 Prozent. Und das, obwohl das gesetzliche Pensionsalter für Männer eigentlich bei 65 Jahren liegt.

"Es lohnt sich in Österreich einfach zu sehr, in Frühpension zu gehen", befindet der Sozialrechtler Theodor Tomandl, der Vorsitzende der Pensionskommission der Regierung, im STANDARD-Gespräch. Werden doch Frühpensionisten insgesamt maximal mit Abschlägen von 10,5 Prozent bestraft. Tomandl findet das "relativ gering". Summierten sich die Abschläge doch in anderen Ländern auf bis zu 24 Prozent.

Diese relativ günstige Möglichkeit der Frühpension werde auch von Firmen genutzt, meint Tomandl: "Die setzen eher ältere Arbeitnehmer frei, die schon in Frühpension gehen können." Konzerne wie staatsnahe Betriebe haben reihenweise Personal in die Frühpension abgebaut.

Die hohe Zahl der Frühpensionierungen sieht Tomandl als das "Hauptproblem" des Pensionssystems. Seiner Meinung nach ist das faktische Pensionsalter "ohne Anpassung im Pensionsrecht" nicht zu erhöhen - er würde die Abschläge für Frühpensionisten erhöhen. Und trifft sich mit diesem Vorschlag ganz mit der Industriellenvereinigung: Auch sie will höhere Abschläge - von derzeit maximal zehn auf maximal 25 Prozent. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 4. 5. 2001)

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