Kathrein bleibt bei Verlagerung der Grundig-Produktion nach Wien

3. Mai 2001, 16:50
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Krisengespräch gescheitert - Deutsche Arbeitnehmer machen mobil

München/Nürnberg - Nach einem Krisengespräch im Bayerischen Wirtschaftsministerium hält der Hauptanteileigner Anton Kathrein an der geplanten Verlagerung der Fernsehgeräte-Produktion durch die Grundig AG, Fürth, nach Wien fest. Nur unter dieser Bedingung hätten die betroffenen Banken die nötige Finanzierung zugesichert, sagte Gerd Lobodda, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Vorsitzender der Nürnberger IG Metall, am Mittwochabend im Gespräch mit vwd. "Kathrein und Wiesheu haben sich dem Ultimatum der Banken gebeugt", betonte Lobodda.

Nach dem Konzept der Unternehmensberatung Roland Berger sollen im Werk Nürnberg-Langwasser und in einer kleineren Fertigungsstätte rund 900 Stellen gestrichen werden. Die Hauptverwaltung und der Stammsitz von Grundig bleibe weiterhin in Nürnberg, hieß es nach dem Krisengespräch in München. Der Forschungs-, Entwicklungs- und Logistikschwerpunkt des Unternehmens soll ebenfalls wie bisher in Nürnberg sein.

"Das wäre das Ende für Grundig"

Die deutschen Arbeitnehmer des angeschlagenen Elektronikkonzerns wollen sich allerdings den Plänen des Managements weiterhin widersetzen. "Das wäre das Ende für Grundig", sagte Betriebsratschef Dieter Appelt am Donnerstag. Der Erhalt des Standorts Langwasser sei ein absolutes Muss für eine Einigung. Die Arbeitnehmer hätten mittlerweile aber Kernaussagen der Roland Berger-Pläne widerlegen können. "Wenn 17 Millionen (DM) in Langwasser investiert würden, könnte der Bereich bereits im nächsten Jahr 32,5 Millionen Gewinn einfahren." Selbst bei einer Verlagerung nach Wien seien Investitionen von zwölf Millionen DM nötig, so Appelt.

Ergebnis weiter verschlechtert

Medienberichten zufolge hat sich das Betriebsergebnis bei Grundig im Jahr 2000 weiter verschlechtert. Trotz eines Umsatzplus von sechs Prozent auf rund 2,86 Mrd. DM (1,46 Mrd. Euro/20,1 Mrd. S) sei der Verlust von 80 auf 85 Mill. DM gestiegen, hieß es. Dies soll nach unbestätigten Berichten mit der Auflösung von Rückstellungen ausgeglichen werden, so dass Grundig einen schmalen Gewinn von 2 Mill. DM ausweisen wird. Die genauen Zahlen will das Unternehmen am 10. Mai vorlegen. (APA/dpa/Reuters)

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