UNESCO: Pressefreiheit kostet Geld

5. Mai 2001, 19:39
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Warnung vor "digitaler Kluft"

Das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit muss täglich neu erkämpft werden, kann aber nicht zum Nulltarif erworben werden. "Pressefreiheit kann nur existieren, wo es ihr erlaubt wird - und wenn ihr die professionellen, technischen und vor allem wirtschaftlichen Mittel zum Existieren und Gedeihen gegeben werden", sagte UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura am Donnerstag anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit. In Afrika und anderen Teilen der Welt sei das leider nicht immer der Fall, meinte er in der namibischen Hauptstadt Windhuk. Hehre Worte reichten nicht zur Sicherung von Pressefreiheit und professionellem Journalismus.

"Es ist bedauerlich, dass die 'digitale Trennung' ... schnell wächst"

Matsuura warnte zum Auftakt einer Konferenz zum 10. Jahrestag der so genannten Erklärung von Windhuk auch vor einer Verbreiterung der Kluft zwischen Ländern mit Zugang zu neuen technischen Errungenschaften und solchen, denen diese verwehrt blieben. "Es ist bedauerlich, dass die 'digitale Trennung' ... schnell wächst", betonte der Chef der Erziehungs-, Wissenschafts- und Kultur-Organisation der Vereinten Nationen (UNESCO). Ein Zugang für alle müsse garantiert werden.

Arbeitsdruck

Die UNESCO-Medienberaterin und Journalistin Mia Doornaaert warnte vor einem weltweit zu beobachtenden Trend, wonach zu viele Medienunternehmen Personal und Gehälter kürzen. Der so entstehende Arbeitsdruck gehe zu Lasten der Professionalität. "Überarbeitete und unterbezahlte Journalisten können der Öffentlichkeit nicht die Qualitätsinformation geben, auf die sie Anspruch haben. Pressefreiheit kostet", mahnte die Belgierin.

Medien-Missbrauch

Ebenso wie andere Sprecher warnte sie vor Medien-Missbrauch. Weltweit sei ein Trend zur Intoleranz zu spüren. "Die oberste Aufgabe von Presse und Medien ist nicht das Entfachen von Emotionen, sondern ausgewogene Information." Der UNO-Koordinator für die Rassismus-Konferenz im südafrikanischen Durban (31. August - 7. September), Jyoti Shankar Singh, forderte größeres soziales Verantwortungsgefühl der Journalisten. (APA/dpa)

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