Mazedonien am Rand des Bürgerkriegs

4. Mai 2001, 20:29
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Armee setzt "Säuberungsaktion" fort

Kumanovo/Belgrad - Die mazedonischen Streitkräfte haben am Freitag die "Säuberungsaktion" in der Region um die Provinzstadt Kumanovo in Nordmazedonien unmittelbar an der Grenze zu Serbien fortgesetzt. Augenzeugen berichten von heftigem Schusswechsel und massivem Einsatz von Granatwerfern. Zahlreiche Häuser standen in Flammen. Die Regierung in Skopje warf der albanischen "Nationalen Befreiungsarmee" vor, die Zivilbevölkerung als Geiseln festzuhalten und albanische Männer unter Zwang zu mobilisieren.

Die Führer der "Befreiungsarmee" erklärten die Region um Kumanovo zur "befreiten Zone". Die albanischen Kämpfer würden "Frauen und Kinder" vor "mazedonischen paramilitärischen" Einheiten beschützen. Seit dem Beginn der Offensive der mazedonischen Armee sollen nach albanischen Angaben fünf mazedonische Soldaten umgekommen sein. Nach Angaben eines Rebellenführers wurden im Dorf Vaksince zwei albanische Zivilisten durch Granaten getötet. Allein in der vergangenen Woche hatten albanische Rebellen zehn Soldaten getötet.

In der Nacht auf Freitag wurde in Skopje das Geschäft eines muslimischen Mazedoniers in die Luft gesprengt. Für die Demolierung von rund 70 Geschäften, deren Eigentümer Albaner oder Muslime sind und bei denen ein Albaner getötet wurde, hat die "Mazedonische Revolutionäre Organisation" die Verantwortung übernommen.

Sie wolle die "Geldgeber albanischer Rebellen ausschalten", verkündete die Gruppe, die sich nach dem mazedonischen Nationalisten "Todor Aleksandrov" nennt.

(Andrej Ivanji/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. Mai 2001)

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