"An der Schwelle einer neuen Ära"

3. Mai 2001, 16:15
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Neues, hochwirksames Medikament gegen Allergien

Berlin/Wien - Für viele Patienten mit allergischem Asthma oder schwersten Allergien wird ab Ende dieses Jahres ein neues, hochwirksames Medikament zur Verfügung stehen. Die Spritze blockiere die Bildung körpereigener Antikörper (IgE-Antikörper) gegen allergene Stoffe und hemme damit eine überschießende Reaktion des Immunsystems, sagte der Berliner Lungenexperte Prof. Ulrich Wahn am Donnerstag in Berlin. "Wir stehen an der Schwelle einer neue Ära der Immuntherapie", meinte er.

Das Medikament des Schweizer Konzerns Novartis werde - so der Wissenschafter - voraussichtlich im Dezember EU-weit zugelassen. Es handelt sich dabei im Grunde um das erste Arzneimittel das ursächlich in die Entstehung von allergischen Reaktionen eingreift. Die bisher vorhanden Medikamente - vor allem Antihistaminika und Cortison - hemmen vor allem die Symptome. Das gilt auch für die häufig verwendeten Asthma-Mittel.

Weniger Cortison

Mit dem Anti-IgE-Antikörper Omalizumab ("Xolair") könnte jedenfalls das Leben von Asthmapatienten wesentlich leichter werden. Der große Vorteil für die Patienten: Die Einnahme von Cortison kann deutlich reduziert werden. "Besonders schwere Asthmafälle werden von dem Medikament profitieren", sagte Della Cioppa Giovanni, medizinischer Leiter in der Entwicklung des Medikaments bei dem Konzern, vergangenes Jahr beim 10. Weltkongress für Lungenkrankheiten in Florenz.

Eine weitere Erleichterung für Kranke ist, dass das Medikament nur ein bis zwei Mal im Monat verabreicht werden muss. "Es behandelt auch viele Symptome wie etwa allergische Rhinitis gleichzeitig", so Giovanni.

Das Medikament wirkt auf immunologischer Ebene. Der Antikörper greift frühzeitig in den allergischen Prozess ein. Es bekämpft das körpereigene Eiweiß IgE, das für die Reaktion hauptverantwortlich ist. Nachdem der Antikörper injiziert worden ist, kommt es innerhalb weniger Stunden zu einem raschen Abfall des IgE-Spiegels im Blut. Erhöhte IgE-Pegel im Blut sind ein Charakteristikum für Allergien.

Studie

Bei Untersuchungen erwies sich das Mittel bereits als sehr wirksam. Wissenschafter in San Diego behandelten zum Beispiel 525 schwere Asthma-Patienten mit dem Medikament. Dabei zeigte sich, dass nicht nur Symptome und Anfallhäufigkeit sanken, sondern dass auch der Verbrauch von Cortison um 75 Prozent zurückging.

Vergleichbare Ergebnisse erzielte eine Studie an 334 Kindern in Denver. Auch hier senkte sich die Anfallrate um 35 Prozent, der Verbrauch von Cortison fiel um 41 Prozent.

Weltweit leiden der WHO zufolge 100 bis 150 Millionen Menschen an Asthma. (APA/dpa)

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    Symbolbild der alten Ära

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