"Machtwort" von EU-Erweiterungskommissar Verheugen gefordert

3. Mai 2001, 15:02
posten

Für Grüne sind neue Probleme "Etappensieg für Atomgegner"

Linz - Nach den am Donnerstag durch tschechische Medienberichte bekannt gewordenen weiteren schweren Problemen im tschechischen AKW Temelin wird der Ruf nach einem Einschriten von EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen laut. "Nach der gescheiterten UVP, die Verheugen selbst in Melk mitverhandelt hat, muss der EU-Kommissar nun endlich ein Machtwort sprechen", verlangte SPÖ-Umweltsprecherin Ulli Sima. Auch der FPÖ-Europeabgeordnete Hans Kronberger forderte den Erweiterungskommissar auf, "sein Schweigen zum Dauerpannenreaktor Temelin zu brechen".

Ferrero-Waldner muss Chance nutzen

Außenministerin Benita Ferrero-Waldner müsse angesichts des Verheugen-Besuches am Freitag die Chance nützen, um die weiteren Schritte der EU in Sachen Temelin abzuklären, verlangte Sima. "Eine Akzeptanz der bisherigen Vorgangsweise von Seiten Tschechiens ist undenkbar, denn die AKW-Betreiber haben nichts unternommen, um die Vereinbarung von Melk einzuhalten. Im Gegenteil, sie demontieren die UVP scheibchenweise und wundern sich über die Ablehnung aus Österreich".

Atomare Bedrohung vor der Haustüre

"Alle Warnungen im Zusammenhang mit dem gefährlichen Reaktor haben sich als richtig erwiesen, weshalb Temelin eine atomare Bedrohung nicht nur unmittelbar vor unserer Haustüre darstellt, sondern die gesamte Europäische Union gefährdet", erklärte Kronberger in einer Aussendung. "Die Europäische Union darf zu Temelin nicht länger schweigen. Ich fordere daher den Kommissar, Günther Verheugen, der morgen zu Besuch in Wien ist, auf, nicht länger wegzuschauen und endlich das Thema "AKW Temelin" auf den Tisch zu bringen." Die EU-Kommission fordert Kronberger auf, für einheitliche nukleare Sicherheitsstandards zu sorgen, die für die gesamte Europäische Union und für die Beitrittskandidaten verbindlich seien.

Etappensieg

Als "Etappensieg für die Temelin-Gegner" bezeichnet Eva Glawischnig, Umweltsprecherin der Grünen, den bekanntgewordenen Schaden der Turbinenwellen im AKW Temelin. "Bestätigt sich der Verdacht, dass auch die Welle im Hochdruckteil des Rotors deformiert ist, kann nur mehr von einem Totalschaden der Turbine gesprochen werden. Die Inbetriebnahme würde sich massiv verzögern, die Kosten weiter explodieren", so Glawischnig. "Die Temelin-Betrieber sollten diese neuerliche gravierende Panne endlich zum Anlaß nehmen, den Aussteig aus Temelin einzuleiten. Die vielen Schwachstellen im Pannenreaktor scheinen auch beim besten Willen nicht mehr in den Griff zu bekommen sein." Von der österreichischen Regierung verlangt Glawischnig neben einem Gipfelgespräch mit Tschechien über einen UVP-Neustart endlich ein ernsthaftes Ausstiegsangebot zur Stillegung des AKW. (APA)

Share if you care.