US-Radiosender strahlte erstmals die Reportage einer Hinrichtung aus

3. Mai 2001, 14:54
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Man hörte Gelächter der Beamten im Hintergrund ...

Ein US-Rundfunksender hat erstmals die Reportage einer Hinrichtung ausgestrahlt. US-Bürger konnten am Mittwochabend zwei Mal die Exekution Ivon Ray Stanleys auf dem elektrischen Stuhl verfolgen. An Stanley wurde am 12. Juli 1984 im Bundesstaat Georgia die Todesstrafe vollzogen. Der New Yorker Sender WNYC erwartet, dass andere Sender seinem Beispiel folgen werden. Dem etwa zehnminütigen Beitrag ging ein Hinweis voran, dass "empfindliche" Zuhörer für eine halbe Stunde abschalten mögen.

In der Aufnahme beschrieb der Justizvollzugsbeamte Willis Marable in Jackson in Georgia die Hinrichtung, die er durch ein einseitig verspiegeltes Fenster beobachtete.

"Besonders reibungslos"

Die Exekution wurde als "besonders reibungslos" beschrieben. In der Aufnahme hörte man Gelächter der Beamten im Hintergrund, nachdem sie sich über mögliche Komplikationen ausgetauscht hatten. "Verbocke es nicht nächstes Mal", sagte eine Stimme.

Der Beitrag enthielt auch Auszüge der Hinrichtung Alpha Otis O'Daniel Stephens, die weniger reibungslos abgelaufen war. Stephens' Tod wurde 13 Minuten nach dem Beginn der Hinrichtung festgestellt.

Öffentliche Debatte

Die Sendung kam zu einem Zeitpunkt intensiver öffentlicher Debatten über die Direktübertragung von Hinrichtungen. Am 16. Mai soll Timothy McVeigh durch die Todesspritze hingerichtet werden. Der 32-Jährige ist schuldig gesprochen worden, die Bombe gelegt zu haben, die im April 1995 in Oklahoma 168 Menschen tötete und hunderte verletzte. Bisher sind nur Angehörige der Verurteilten sowie einige Beamte als Zeugen zugelassen.

Seit Rainey Bethea 1936 vor einem Publikum von 20.000 Menschen in Kentucky hingerichtet wurde, gab es keine öffentlichen Hinrichtungen mehr in den USA. Bis die Tonbänder vor drei Jahren entdeckt wurden, war die Existenz jeglicher Ton-, Video- oder Bildaufnahmen nicht bekannt. Sie gehörten zu 23 Aufnahmen, die seit 1983 von der US-Strafvollzugsbehörde in Auftrag gegeben worden waren. (APA/Reuters)

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