Panoramablick mit Jojofeeling

3. Mai 2001, 17:01
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Auf den Donauturm führt ein Lift. Hinunter - auch - der freie Fall

Wien - Ganz von selbst springt der Mensch nicht: Wer glaubt, bei "Null" einen Schubbs zu bekommen, genießt den Ausblick halt ein paar Sekunde länger. "Du musst es selbst tun", sagt der Skilehrertyp auf der Planke. Schließlich geht es beim Runterhoppsen um Überwindung, nicht Überwältigung. Für wen er dann runterzählt? Egal. Ab.

152 Meter freier Fall sind durchaus erfrischend. Auch wenn es netto nicht wirklich 152 Meter sind, die der deutsche Gummivorhüpfer Jochen Schweizer Besucher des Donauturms ab nächstem Wochenende in die Tiefe wirft: Etwa 30 Meter über Grund schnalzt man wieder aufwärts, nachdem die Gummibremse vorher über knapp 100 Meter zu verhindern versucht hat, dass Kopf und Oberkörper weiterfallen, wenn die Beine im Gurt baumeln.

Aber mit dem Metermaß denkt nicht, wer zwischen den eigenen Fußspitzen und dem Donaupark nur - warme aber balkenlose - Luft hat. Und einen Vokabeltank, an dem sich Journalisten im Vorbeiflug mit Floskelitis ("Todesangst", "Adrenalinschub" und "ultimatives Glücksgefühl") infizieren.

Sicher: Direkt an der Rampe geht die Pumpe mehr als ordentlich. Aber rund zwei Stunden vor dem Sprung ist das Gefühl um einiges mulmiger, als wenn der rote Overall dann auf der Terrasse im Wind knattert. Schließlich weiß man, wenn eine Million Sicherungsleinen festgezurrt und nachgeprüft worden sind, worauf man sich eingelassen hat. Auch wenn zuvor die PR-Vokabelmaschine des Adrenalinunternehmers Schweizer erfolgreich versucht, zwischen Kick ("Adrenalin pur") und Kindersicherung ("isozertifiziert", "unfallfrei") das Abenteuerfeeling im Bauch über "kein-Unternehmer-bringt-seine-Kunden-um"-Gedanken siegen zu lassen.

Nicht, dass so ein Sprung von einem Brett, das 152 Meter über Grund acht Meter in die Luft ragt, gerade mal so spannend wie Zähneputzenoder Kaffeekochen wäre. Oh nein, mitnichten. Aber die Kopfübervonobenjojofrischluftperspektive auf das frühsommerliche Wien ist viel zu faszinierend, um sich durch Panik & Co. den Spaß daran verderben zu lassen.

Nicht zuletzt, wenn für die paar Sekunden zwischen Himmel und Erde mit bis zu 1900 Schilling (Frühbucher über das Internet zahlen 1350) doch eine erkleckliche Summe hinzulegen ist - auch wenn da ein persönliches Sprungvideo und ein Gleitschirmschnupperkurs inkludiert sind.

Von Thomas Rottenberg

12. Mai - bis Oktober jeweils samstags und sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr

Tickets kosten zwischen 1.350 S und 2.090 S und sind erhältlich im Internet, bei der Telefon-Infoline 01/269 62 47 sowie im Esprit-Store im Donauzentrum.

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