"Triumph des Voyeurismus"

3. Mai 2001, 13:49
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Franzosen mokieren sich über "Loft-Story" und Millionen schauen zu

Die erste französische "Big Brother"-Version mit dem Titel "Loft Story" wird zerpflückt, verrissen, als "dämlich" und "debil" abgetan - und Millionen schauen zu. Bei der Premiere vor einer Woche waren es nach Angaben des Privatsenders M6 fünf Millionen Zuschauer. Solch einen Zuspruch hat M6 seit 1994 nicht mehr erlebt. Bisheriger Höhepunkt nach 224 Sendeminuten war ein langer Kuss im Swimmingpool zwischen Loana (22) und Jean-Edouard (21).

Eine Woche nach Sendestart höhnt die Presse über den "Triumph des Voyeurismus". Sogar die hochseriöse "Le Figaro" brachte am Donnerstag ein Foto des Kandidaten David, der am vergangenen Dienstag entnervt aus der Runde ausgestiegen ist. Das hat den Organisatoren sofort den Vorwurf eingebracht, für die 70-Tage-Wohngemeinschaft instabile Personen ausgewählt zu haben. Allerdings hat auch die bisher Beliebteste der elf Eingeschlossenen, eine Go-Go-Tänzerin aus Nizza ("Ja, ich habe Silikon in meinen Brüsten"), schon mehrere Selbstmordversuche zugegeben.

Teilung in "kostenlose" und "zahlende" Zuschauer

Der Präsident des Medienkontrollrates (CSA), Dominique Baudisse, hat sich in die Diskussion eingeschaltet und die Teilung in "kostenlose" und "zahlende" Zuschauer kritisiert. Auf dem Gebühren-Kanal von M6 wird eine unzensierte Version von "Loft Story" ausgestrahlt, während im regulären Programm 120-minütige Zusammenfassungen zu sehen sind. Loft-Story ist auch in die Politik vorgedrungen. "In der Nationalversammlung gibt es ein neues Fragespiel: mit welchem Kollegen würden Sie in das Loft einziehen", berichtet die bürgerliche Abgeordnete Roselyne Bachelot. (APA/dpa)

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