GPA fordert verstärkte Weiterbildung

3. Mai 2001, 17:37
posten

Sallmutter: Anwerbung ausländischer Fachkräfte ohne langzeitig befristete Verträge

Wien - Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) will dem Fachkräftemangel längerfristig durch verstärkte Lehrlingsaus- und Erwachsenenweiterbildung begegnen. Sowohl im schulischen Bereich als auch auf Unternehmensebene sei in den vergangenen Jahren "dilettantisch" gehandelt worden. Die Entwicklungen am Informations- und Telekommunikiationssektor seien absehbar gewesen, man hätte sich daher rechtzeitig darauf einstellen können, sagte GPA-Präsident Hans Sallmutter am Donnerstag anlässlich der Gründung eines neuen GPA-Wirtschaftsbereiches "Kommunikation" vor Journalisten.

Ausweitung der Beschäftigungsbewilligungen denkbar

Temporär sei in der jetzigen Situation auch eine Ausweitung der Beschäftigungsbewilligungen denkbar. Sallmutter sprach sich dabei jedoch dagegen aus, Know-how aus den östlichen Beitrittsländern abzuziehen. Österreich habe "höchstes Interesse" daran, dass sich gerade in den Beitrittsländern die Wirtschaft rasch entwickle. Wie die Erweiterung der Zuwanderung im Detail aussehen solle, darüber müssten die Sozialpartner beraten. Wichtig sei dabei jedoch, dass den Fachkräften die Möglichkeit zur Integration geboten werde. Befristete Verträge, die über eine längere Zeit gehen, seien dabei nicht der richtige Weg. "Man kann hier auch fairere Lösungen finden", meint Sallmutter. Zunächst müsse man aber erst den tatsächlichen Fachkräftebedarf in Österreich ermitteln. Die Ziffern, die derzeit im Raum stünden, seien noch nicht "stichhaltig".

Längerfristig müsse dem Fachkräftemangel über die Verbesserung der heimischen Ausbildung begegnet werden. Die öffentliche Hand müsse viel mehr als bisher zur Erwachsenenbildung beitragen. Aber auch die Unternehmen seien gefordert. Bildungsfreistellungen müssten forciert werden. Arbeitgeber müssten stärker bereit sein, die Weiterbildung vor allem die Weiterbildung von Frauen und älteren Mitarbeitern zu fördern.

Gerade in dieser Zielgruppe aber sei die IT-Branche heute noch mit einem negativen Image behaftet. Berufe in diesem Bereich seien gekennzeichnet durch hohe Belastung, starke Konkurrenz und extrem lange Arbeitszeiten. Es gelte das Prinzip der "totalen Verfügbarkeit", bestätigte Gerhard Rohde von Union Network International (UNI), einer internationalen Dachorganisation von über 900 Gewerkschaften in 140 Ländern.

Neue Kollektivverträge

Die GPA will der Arbeitssituation nun mit neuen Kollektivverträgen (KV) verbessern. Seit 1. Jänner dieses Jahre gibt es sowohl für die Telekommunikation als auch für den IT-Bereich einen KV, der neben abstrakten Arbeitszeitmodellen und Telearbeit auch eine einwöchige Bildungsfreistellung und ein neues Gehaltsfindungsmodell vorsieht. In den neuen Bereichen seien damit alte Forderungen erfolgreich durchgesetzt worden, meint der GPA-Geschäftsstellenleiter der Interessensvertretung, Karl Proyer. (APA)

Share if you care.