Günther Jauch reicht Klage gegen Internetprovider ein

4. Mai 2001, 10:37
2 Postings

Namensrechtsverletzung als Grund des Rechtsstreits - Wer wird nun Millionär?

Der beliebte deutsche Showmaster Günther Jauch, der spätestens seit seiner Sendung "Wer wird Millionär?" auch in Österreich bekannt ist, hat den Internetdienstleister FreeCity wegen einer Namensrechtsverletzung verklagt. Der TV-Moderator verlangt von der Firma, abgeänderte Schreibweisen seines Namens nicht mehr als Domain anzubieten. Die Duisburger Firma verweigert den Verzicht jedoch mit dem Hinweis auf ihre Geschäftsbedingungen, nach denen die Kunden selbst für Verstöße gegen das Marken- oder Namensrecht verantwortlich sind.

Entscheidung wird für 16. Mai erwartet

Im Prozess am Kölner Landgericht, dessen Entscheidung am 16. Mai erwartet wird, geht es um die Frage, wer sich darum kümmern muss, wenn die Rechte Dritter verletzt werden. Ein 16-jähriger Spaßvogel aus dem Westerwald hatte die Adresse http://www.guenter-jauch.de - Guenter ohne h - über FreeCity eintragen lassen. Auf seine Webseite stellte er ein Angebot für Handy-Logos und vermeintlich unseriöse Gewinnspiele.

Das ärgerte den Showmaster. Für Jauchs Anwalt Winfried Seibert steht fest: "Der wollte nur nassauern", sprich: auf unredliche Weise vom bekannten Namen Jauchs profitieren.

Einfache Registrierung führt zu Problemen

"Wir können in drei Tagen dicht machen, wenn wir erst recherchieren müssen, ob bei einer Registrierung möglicherweise Namensrechte verletzt werden", hält der Geschäftsführer der FreeCity GmbH Michael Faß dagegen. Das Unternehmen ist einer von zahlreichen deutschen Internetprovidern, bei denen Kunden eine Internetadresse beantragen können. Die Firma überprüft dann einzig bei der deutschen Vergabestelle für Internetadressen (Denic), ob dieser Domain-Name noch nicht vergeben ist.

Domain war da und bald wieder weg

Nachdem der vom Jauch-Anwalt abgemahnte Bursch die Domain zurückgegeben hatte, schnappte sie sich wenige Tage später ein weiterer 16-jähriger Schüler aus Kaiserslautern. "Vielleicht um sie zu verkaufen", wie er sagt. Warum Jauch sich die Domain nicht selbst sicherte, erklärt Seibert mit den Worten: "Wenn ich Persil herstelle, muss ich nicht auch Persol als Marke eintragen. Rechtlich geschützt bin ich trotzdem." Deshalb sind die meisten Varianten von Jauchs Namen als Domains noch immer zu haben. Nur http://www.guentherjauch.de nicht. Diese Adresse hat sich ein Domain-Händler geschnappt. "Den schieß ich auch weg", kündigt Seibert an.

Schadenersatz bringt Firma in große Probleme

Weil sich FreeCity so hartnäckig weigerte, eine zukünftige Registrierung der Domain http://www.guenter-jauch.de zu verhindern, wollen Jauchs Anwälte nun möglicherweise Schadensersatz von dem Unternehmen verlangen. Das könnte teuer werden. Denn die Höhe der Kosten richtet sich nach Summe, die ein fiktiver Kunde für einen Werbevertrag mit Jauch bezahlen müsste.

"Für uns geht es nicht nur um diesen Einzelfall, sondern um eine lebenswichtige Grundsatzfrage", kommentiert Faß die Haltung seiner Firma. Wenn sich ein Kunde nicht an Namensrechte halte, sei dem Internetprovider kein Vorwurf zu machen, pflichtet die Rechtsreferentin des Deutschen Multimedia Verbandes, Sabine Köster-Hartung, bei. (Von Arno Schütze/APA/dpa)

Share if you care.